Claude Monet - Bords de la Seine à Argenteuil
von der Macht der Ersteller von Werkverzeichnissen
Monets Gemälde zeigt das Seine-Ufer in Argenteuil, einem Vorort von
Paris. Es reiht sich in eine Serie anderer Gemälde ein, die der 35-jährige
um 1875 in Argenteuil schuf. Es ist weder typisch für seine späteren
Gemälde, noch gehört es zu seinen bekanntesten Werken. Worüber sich
aber die meisten Experten einig sind ist, dass es von Monet stammt,
ausser dem Ersteller des Monet-Werksverzeichnisses, das Wildenstein
Institut in Paris. Aber der Reihe nach.
Im Jahr 1992 erwirbt das Gemälde der englische Sammler David Joel für
moderate £40,000, nachdem es bei einer Auktion unverkauft geblieben
war. Christie’s hatte es zuvor (1982)dem Kunsthändler und Monet-
Experten Daniel Wildenstein für eine Expertise unterbreitet, und dieser
hatte es zurückgewiesen. Seither bemühte sich der neue Besitzer das
Gemälde als echten Monet erklärt zu bekommen. Verständlich, denn
bei einem positiven Ergebnis wäre das Gemälde zweifellos das 20-fache
seines Kaufpreises wert. Obwohl der Rahmen den Titel und das Datum
1875 trägt, und die Singantur Claude Monet klar ersichtlich ist, war dies
notwendig, denn es gab bereits zu Lebzeiten des Künstlers einige
falsche "Monets".
David Joel gab also eine Reihe von wissenschaftlichen Studien an
international anerkannte Institute in Auftrag, darunter The Art Access
Research Centre (high resolution, infrared and X-ray photography),
und Lumiere Technology Centre (scans mit einer 240-megapixel
camera and 13 light filters). Die Ergebnisse wurden dann von
anerkannten Fachleuten begutachtet, darunter Iris Schaefer, die
Direktorin der Konservation des Wallraf-Richartz-Museums in Köln,
die vorher einen falschen Monet erkannt hatte der vom Wildenstein
Institut als echt angesehen wurde. Sie erklärte das Monet-Gemälde
als authentisch. Chemische Analysen und Analysen der Signatur
wurden von Nicholas Eastaugh (Courtauld Institute of Art)
durchgeführt und standen im Einklang mit Monets Farbpalette von
1873.
Alle Ergebnisse wurden dem Wildenstein Institut und seinem Direktor
Guy Wildenstein unterbreitet. Als dieser es wiederum ablehnte das
Gemälde als authentisch anzuerkennen und es in sein
Werkverzeichnis aufzunehmen, klagte David Joel vor Gericht, um die
Aufnahme kraft wissenschaftlicher Ergebnisse und Expertisen zu
erzwingen.
David Joel verlor in erster Instanz 2014 und in zweiter Instanz
2016. Das Interessante dabei war die Rechtfertigung des Richters:
"it is not the courts role to establish the authenticity of the work,
but rather decide whether it should make the authors of the
catalogue include a painting they did not believe in". Guy
Wildenstein und seinem Institut wurden von den verlangten €
120,000 zwar nur € 10,000 an Entschädigung zugesprochen,
David Joel musste aber die (unbekannten) legalen Kosten
berappen.
So geht es einem wenn man Experten zu einem Urteil zwingen
will, von dem diese nicht überzeugt sind.
Einziger Wermutstropfen: Wildenstein gab - ausser
"Kennerschaft" (connaisseurship) - keinen Grund für seine
Ablehnung an. Es ist also durchaus möglich, ja sogar
wahrscheinlich, dass das Gemälde authentisch ist. Dies zeigt die
Macht der Ersteller von Werksverzeichnissen. Dass diese nicht
immer ethischen Prinzipien folgt, ist eine andere Sache.