Schon am ersten Tag der Modigliani Ausstellung bildete sich vor der
Galerie Weill eine Menschentraube, denn alle wollen die freizügigen
Bilder sehen. Dies war nicht unerwartet, denn Zborowski hatte am
Tag vorher zwei der Akte in die Vitrine stellen lassen. In der Folge
kam es zu einer Intervention der Polizei welche die Galeristin aufge-
forderte, die Gemälde zu entfernen. Mais qu’ont-ils donc ces nus?
fragte sie den Polizeikommissar. Dieser antwortete lautstark und
drohend: Ces nus … ils ont des poils! Erinnert frappant an Molières
Le Tartuffe (1664) und dessen berühmten Ausspruch "Couvrez ce
sein que je ne saurais voir" (Acte IV, Scène V). Um einer
Beschlagnahmung zu entgehen, entfernte Berthe Weill die Bilder
aus der Vitrine und sagte die Ausstellung ab. Die Gemälde blieben
unverkauft. Es war Modiglianis letzte Ausstellung, denn er starb 3
Jahre später (1920).
Und die Nu couché? Sie kam fast hundert Jahre später wieder in die
Medien. 2015 wurde sie bei Christie's in New York zur Versteigerung
angeboten und erzielte nach kurzem Bietergefecht 170 Mio.$ Dies
ist die derzeit drittteuerste Verkaufssumme, die bei einer Auktion
erzielt wurde, und mag als späte Genugtuung für Modigliani gelten.