Amedeo Modigliani - Homme assis
eine Stange Geld für ein weniger wichtiges Gemälde
Port Franc Genève
Modigliani schuf das Bild an seinem Lebensende. Es stellt den
Pariser Chocolatier Georges Menier dar, und gilt nicht als sein
Meisterwerk. Dennoch wurde es vom jüdischen Galeristen Oscar
Stettiner gekauft. Am Beginn des zweiten Weltkriegs musste
dieser Paris verlassen, und 1941 wurden seine Bilder durch das
Commissariat général aux questions juives in alle Winde
zerstreut.
Der Chocolatier wurde 1944 um bescheidene 16 000 francs
verhöckert, und galt seit 1945 als verschollen. Erst 1996 tauchte
er bei einer Auktion von Christie's wieder auf, wo er für stolze 3,2
Mio. $ an die libanesisch-italienische Sammlerfamilie Nahmad
ging, die jedoch zunächst anonym blieb. Erst als diese das
Gemälde 2008 neuerlich versteigern wollten, diesmal bei
Sothebys, tauchte ihr Name auf, das Gemälde blieb jedoch
aufgrund der ungeklärten Provenienz unverkauft.
Mittlerweile gilt der NS-Entzug als erwiesen. Als die Familie Nahmad
erstmals gerichtlich mit Ansprüchen der Erben Stettiners (dem71-
jähr. Enkel Ph. Maestracci) konfrontiert wurde, bestritt sie im Besitz
des Gemäldes zu sein. Die Panama Papers zeigten jedoch, dass die
Familie das Werk sehr wohl besaß und es über eine panamaische
Briefkastenfirma in Genf bunkerte. Der derzeitige Besitzer des Bildes
heisst David Nahmad. Ihm gehört seit 2014 die International Art
Center S.A., und seine Sammlung im Port Franc umfasst angeblich
4500 Werke, darunter nicht weniger als 300 (!) Picassos. Der 5 Mia $
geschätzte Gesamtwert könnte nur die untere Grenze sein.
Der Chocolatier wurde jedenfalls im April 2016 beschlagnahmt. Sein
heutiger Wert wird auf 25 Mio $ geschätzt, was im Vergleich zu den
1996 erziehlten 3,2 Mio $ eine beachtliche, aber nicht unübliche
Wertsteigerung ist. Nur einige Monate später wurde es jedoch
Nahmad wieder restituiert. «Des vérifications ont été faites et les
soupçons qui pouvaient être présents n'ont pas été confirmés. Dès
lors le séquestre devait être levé», meinte der Sprecher der Genfer
Justiz, Henri Della Casa. Warum genau, sagte er nicht.
Die Zukunft des Gemäldes liegt seitdem in den Händen des New York
Supreme Court, wo die Prozedur weitergeht.
Es geht immerhin um eine Stange Geld.
Das Gemälde verstaubt vermutlich weiterhin im Gernfer Port Franc
David Nahmad