Schon ein erster Blick auf die antiken Statuen zeigt dass das
wichtigste Attribut der Artemis ihre zahlreichen Brüste waren,
sodass sie oft die „Vielbrüstige“ genannt wurde.
Aber halt! Man braucht kein Spezialist der weiblichen Anatomie
zu sein, um festzustellen, dass diesen Brüsten ein wesentliches
Merkmal fehlt, nämlich die Brustwarzen. Für Zweifler, die ungern
reisen und es genau wissen wollen, bietet sich eine Untersuchung
der Gipskopie im Ephesus Museum in Wien an.
Multi-Mammia-Darstellungen der Artemis in der nachantiken
Kunst tauchten erstmals im 16 Jhdt. auf, zunächst in den Stanzen
des Vatikans von Raffael mit seinen Statuen beiderseits der
personifizierten Philosophie - wobei erstmalig Brustwarzen
erkennbar sind - und später in Darstellungen anderer Künstler wie
Philippe Galle in seinem Stich “Natura”, und Gillis van den Vliete
im “Milchbrunnen” der Villa d’Este in Tivoli, beide ebenfalls mit
Brustwarzen. Die Interpretation der vielbrüstigen Artemis als
Mutter Natur setzte sich im 17. und 18. Jhdt. fort, etwa auf Carl
von Linnés Buchumschlag seines Systema Naturae, und hielt sich
bis ins 20 Jhdt.
Kein Wunder also dass Mirò für seine “Diana von Ephesus” die
bereits erprobte Multi-Mammia Darstellung vorzog, auch wenn
die Göttin Diana künstlerisch nie so dargestellt wurde.
Möglicherweise wurde er dazu 1958 vom Fund der Artemisstatue
kurz davor (1956) durch den Österreicher Franz Miltner angeregt.
“Milchbrunnen”
Stanza della Segnatura parete Est
Natura
Systema Naturae