Michelangelos Selfie: Unter den ca 400
größtenteils nackten Figuren des Altarfreskos
"Jüngstes Gericht" in der Sixtinische Kapelle
mag Michelangelos Selbstportrait übersehen
werden. Man findet es auf der Haut, die dem Hl.
Bartholomäus eben abgezogen wurde,
gewissermaßen als Zeugnis von Michelangelos
schwarzen Sinn für Humor.
Nicht übersehbar sind die Folgen des Erlasses
von Papst Paul IV. kurz vor Michelangelos Tod,
der die Übermalung von als unsittlich
empfundenen Ausschnitten vorsah. Hiermit
beauftragt wurde Michelangelos Schüler Daniele
da Volterra, was diesem den Spottnamen
Braghettone („Hosenmaler“) eintrug. Die meisten
der ehemals Entblößten blieben auch nach der
kürzlichen Restaurierung schamhaft verhüllt,
darunter der Träger von Michelangelos "Selfie".
Man muss ja nicht übertreiben.