Franz Messmer/Jakob Kohl- Kaiserbild
Was von einem Bild nach diversen Übermalungen noch übrig bleibt
Das monumentale Bild über der Prunkstiege des Naturhistorischen
Museum(NHM) überrascht, denn man würde es eher im
Kunsthistorischen Museum (KHM) gegenüber erwarten. Es zeigt Kaiser
Franz I. Stephan von Lothringen (1708-1765, seit 1745 HRR) mit
Gelehrten inmitten seiner Sammlungen in den Sammlungsräumen der
Hofburg. Franz Stephan kam seinem Auftrag als Zuchtstier für das Haus
Habsburg bekanntlich wacker nach. Sechzehn Nachkommen allein mit
Maria Theresia (1717-1780) zeugte er, aber das muss man wohl
verdoppeln und verdreifachen, um auf die richtige Zahl zu kommen. Er
hatte offenbar genügend Zeit, um seinen Hobbies nachzugehen -
darunter auch die Förderung der Wissenschaften - denn Maria Theresia
erledigte die kaiserlichen Amtsgeschäfte.
Das Bild wurde von Maria Theresia in Auftrag gegeben und 1773, also 8
Jahre nach Franz Stephans Tod, beendet. Es zeigt Franz Stephan (sitzend)
umgeben von den Direktoren seiner Sammlungen (v. l. n. r.): hinter dem
Kaiser stehend Gérard van Swieten (Direktor Hofbibliothek, Leibarzt
Maria Theresias), Jean de Baillou (Naturalienkabinett und "Vater" des
NHM), Valentin Duval (Münzkabinett) ein Tablett mit Medaillen
heranschleppend, und Abbé Johann Marcy (Physikalischen Kabinett).
Kristall
Baillous Blick scheint ins Leere gerichtet, blickt aber auf eine auf dem
Gemälde nicht mehr existierende Person wie spätere Untersuchungen
zeigten. Die Objekte auf dem Tisch, Smaragd, Ammonit und Bergkristall
stammen aus der Sammlung des Kaisers und sind heute in einer Vitrine
vor dem Gemälde ausgestellt. Interessant auch der Hraschina Meteorit
auf dem Tisch hinter der linken Hand des Kaisers und die große
Kristallstufe zu Füßen Abbé Marcys (ganz rechts).
Bei röntgenographischen Untersuchungen des Gemäldes in den Jahren
1992 und 2013 wurde festgestellt, dass das Bild mehrmals übermalt
wurde, und noch vor dessen Fertigstellung 1773 drei Personen aus dem
Bild entfernt wurden. Bei einer der übermalten Personen (jene hinter
dem Kaiser) könnte es sich um den Jesuitenpater und Hofastronomen
Maximilian Hell handeln, der auf dem Bild ursprünglich neben Johann
Ritter von Baillou stehen sollte. Da der Jesuitenorden in Österreich
1773 aufgelöst wurde, könnte dies ein Grund für seine Übermalung
gewesen sein.
Ein anderer Grund für seine Übermalung könnte mit Betrugsvorwürfen
zu seiner Forschung zusammenhängen. Hell hatte 1769 auf Einladung
des dänischen Königs Christian VII in Nord-Norwegen den
Venusdurchgang beobachtet.
Hraschina Meteorit
Aus den weltweit gesammelten Beobachtungen der Venustransits von
1761 und 1769 berechnete er den Abstand zwischen Sonne und Erde zu
152 Millionen Kilometer. In Österreich wurde jedoch Hell zu seiner
Berechnung Betrug vorgeworfen. Hundert Jahre nach seinem Tod
wurde der von ihm berechnete Abstand zwischen Sonne und Erde aber
bestätigt. Der moderne Wert beträgt 149,6 Millionen Kilometer.
Eine weitere Übermalung betrifft die große Kristallstufe zu Füßen Abbé
Johann Marcys. Letztere war nie da, sondern wurde erst nach 1938
hinzugefügt, aus welchem Grund ist unbekannt.
Das Kaiserbild wurde also von mindestens zwei Autoren gemalt, Franz
Messmer (Portraits) und Jakob Kohl (Rest). Ein eventueller Beitrag von
Martin Van Meytens (vor dessen Tod 1770) ist nicht erkennbar. Im
Hinblick auf die späteren Übermalungen müsste die Autorenliste
allerdings verlängert werden.