Andrea Mantegna und die Camera degli Sposi im Castello di S. Giorgio
Bereits bei seiner Berufung erhielt er das Recht, eine insegna zu benutzen, d.h. ein Wappen, was sonst nur dem
Geburtsadel zustand. Später bekam er sogar ein Jagdrevier zu seinem Eigentum. Auch die Familienkapelle in S. Andrea,
die das Wappen des Malers im Schlussstein des Kuppelgewölbes trägt, ist als ein außergewöhnliches Privileg zu
betrachten. Eine der wichtigsten Aufgaben Mantegnas als Hofmaler war die Anfertigung von Porträts, denen eine
entscheidende Rolle zukam, da sie ein unerläßliches Medium für die dynastischen Beziehungen waren. Die Ausmalung
des unter dem Namen Camera degli Sposi oder Camera Picta bekannten Zimmers im Castello di S. Giorgio in Mantua
macht dies deutlich. Es handelt sich bei diesem Raum um ein quadratisches Zimmer, dessen vorrangige Funktion die
eines Prunkschlafzimmers war, in dem aber auch hochstehende Gäste empfangen wurden. Die Lage in einem gut
abgeschirmten älteren Teil des Kastells brachte es mit sich, dass dem Raum in der baulichen Substanz das fehlte, was
man als Grundausstattung von einem Interieur dieses Ranges erwarten würde, nämlich Sonnenlicht, Geräumigkeit und
Komfort. Diese architektonischen Defizite hat Mantegna durch die Kunst der malerischen Fiktion ingeniös kompensiert.
Das Stichwort Fiktion liefert den Schlüssel zum Verständnis der Dekoration der Camera Picta. Aus dem Blickwinkel des
Alkovens, der die zwei unbemalten Wände des Zimmers einnahm, spiegelt die gemalte Architekturgliederung einen
offenen vom Licht durchflutenden Raum vor.
Castle of San Giorgio, Mantua