Manet-Chez Tortoni
Édouard Manet - Chez Tortoni
Auch unter Kunstdieben gibt es welche mit kuriosem Geschmack
Da sitzt ein schwarz gekleideter Mann mit Zylinder,
Stehkragen, Manschetten und gezücktem Schreibstift in
einem Café, und man weiss so gar nichts über ihn. Weder
Name noch Beruf. Auch über das skizzenhaft ausgeführte
Gemälde ist wenig bekannt, ausser dass es von Manet
stammt, und dass es ein Café Tortoni gab in dem Manet
verkehrte. Caféhausmotive waren ja beliebt bei ihm. Das
Entstehungsjahr des Bildes ist aber unbekannt, und ob es
tatsächlich im Café Tortoni gemalt wurde auch. Der
Bildname stammt ja nicht von Manet selbst. Auch
hinsichtlich Provenienz ist wenig bekannt bevor das Bild
1922 in den Besitz der Sammlerin Isabella Stewart Gardner
(1840-1924) kam, Ehefrau des verstorbenen Reeders und
Finanzinvestors Jack Gardner. Das alles lässt viel Spielraum
für Interpretationen.
Weniger Spielraum hingegen lässt das weiter Schicksal des
Gemäldes. Zu trauriger Berühmtheit gelangte es beim "Bostoner
Kunstraub", als es am 18. März 1990, zusammen mit anderen
Gemälden, aus dem Isabella Stewart Gardner Museum (Renzo
Piano) entwendet wurde. Die Diebe drangen als Polizisten
verkleidet früh morgens in das Museum ein, fesselten die
Aufseher, lösten in aller Ruhe 13 Gemälde im Wert von
geschätzten 500 Mio $ aus ihrem Rahmen und nahmen sie mit.
Trotz einer vom Museum ausgelobten Belohnung in Höhe von
10 Millionen US-Dollar - der höchsten bis jetzt - ist bisher keines
der Kunstwerke wieder aufgefunden worden. Der Raub ist
inzwischen verjährt.
Auffällig beim Diebstahl war die Auswahl der Diebe. Sie nahmen
einige von Experten weniger geschätzte Gemälde der
Sammlung mit, darunter dieses von Manet, liessen aber
Spitzenwerke, beispielsweise Arbeiten von Sandro
Botticelli, Raffael und Tizian unbehelligt.
Auch unter Kunstdieben gibt es welche mit kuriosem
Geschmack