La Madonna con San Giovannino
Ein Fall für kunstsinnige Ufologen in Florenz
Wer hat nicht schon von fliegenden Untertassen
gehört. Als UFOs (Unbekannte Flug-Objekte) gingen
sie in die Science Fiction Literatur ein. Einen Beweis
für deren Existenz im Sinne von Flugmaschinen
außerirdischen Ursprungs gibt es zwar nicht, aber
genau ein solches UFO glauben Ufologen auf einem
Gemälde des ausgehenden Mittelalers entdeckt zu
haben.
Das Bild (ein Tondo) schmückt die Sala di Ercole im
Quartiere degli Elementi des Palazzo Vecchio in
Florenz, und trägt - je nach Quellenlage - den Titel
"Natività" oder "La Madonna con San Giovannino".
Wer es gemalt hat ist unsicher. Auf dem Schild
darunter steht lediglich "Maestro del Tondo Miller".
War dieser "Miller" etwa Jacopo del Sellaio oder
Sebastiano Mainardi, oder gar Domenico Ghirlandaio?
Die Meinungen darüber gehen auseinander. Palazzo Vecchio Hercules Saal (Florenz)
Zum Bild selbst: im Vordergrund sieht man - nicht
unerwartet - die betende Muttergottes, und vor ihr das
Jesuskind, gehalten vom jungen Johannes dem Täufer, dem
Patron der Stadt Florenz. Bilder mit diesem Motiv waren zu
jener Zeit (15. Jhdt.) recht populär. Der Hintergrund des
Bildes ist allerdings unerwartet. Anstatt der üblichen
Landschaftsszenerie mit dem Schäfer und seinen Schafen
sieht man - rechts neben dem Kopf Marias - ein seltsames
Flugobjekt. Es ist relativ flach, möglicherweise rund, in
dunklen Farben gehalten, und trotzdem Quelle heller
Strahlen in alle Richtungen. Unter dem Objekt steht ein
Mann mit seinem Hund. Er hält seine Hände über die
Augen, wie um besser sehen zu können, und der Hund sieht
aus als belle er das seltsame Flugobjekt an.
Natürlich stellt sich sofort die Frage: handelt es sich hier um
eine spätmittelalterliche UFO-Darstellung? UFOlogen und
deren Anhänger sind natürlich dieser Meinung, und sehen
ihre Ideen bestätigt. Kunsthistoriker dagegen sind anderer
Meinung. Sie sehen in diesem Objekt eine nicht-
anthropomorphe Darstellung eines Engels bzw. ein
himmlisches Symbol“, das für die Anwesenheit des Engels
bzw. Gottes steht. Symbole wie dieses also seltsame
Himmelserscheinungen sind in der Malerei nicht unüblich,
zumal sie auch in der Bibel mit der Heilsgeschichte
verknüpft sind (siehe Stern von Bethlehem).
Dazu nur zwei Beispiele:
die strahlend helle Scheibe über der Jungfrau
Maria in Crivelli's 1486 Gemälde der Verkündigung
(Natl. Gal. London). Sie verkörpert offenbar den Hl.
Geist, in den Augen heutiger Menschen aber eher
ein UFO, und lenkt ihren Lichtstrahl durch das Haus
und eine strahlend weiße Taube auf die Gestalt
Marias.
Oder die Himmelsscheibe in Aert de Gelders 1710
Baptism of Christ (Fitzwilliam Museum, Cambridge,
England). Sie ist einem UFO schon recht ähnlich.
Die Sichtung eines solchen Objekts wurde übrigens
im alten Testament (Ezechiel 1.4) ausführlich wie
folgt beschrieben.
„Ich sah: Ein Sturmwind kam von Norden, eine große Wolke mit
flackerndem Feuer, umgeben von einem hellen Schein. Aus dem
Feuer strahlte es wie glänzendes Gold. Mitten darin erschien etwas
wie vier Lebewesen. …. Neben jedem der vier sah ich ein Rad auf
dem Boden. Die Räder sahen aus, als seien sie aus Chrysolith
gemacht. Alle vier Räder hatten die gleiche Gestalt. Sie waren so
gemacht, dass es aussah, als laufe ein Rad mitten im andern. Sie
konnten nach allen vier Seiten laufen und änderten beim Laufen ihre
Richtung nicht. Ihre Felgen waren so hoch, dass ich erschrak; sie
waren voll Augen ringsum auf allen vier Rädern. … Zwischen den
Lebewesen war etwas zu sehen wie glühende Kohlen, etwas wie
Fackeln, die zwischen den Lebewesen hin- und herzuckten. Das
Feuer gab einen hellen Schein und aus dem Feuer zuckten die Blitze.“
Carlo Crivelli - Verkündigung 1486
Aert de Gelder Taufe von Christus 1710
Weitere Indizien für die Interpretation als religiöse Symbolik
im vorliegenden Tondo sind die drei kuriosen Objekte unter
dem grossem Geburtsstern welche links des Kopfs von Maria
am Himmel schweben. Sie ähneln Sternen mit quallenartigen
Tentakeln, und können gemäss byzantinischer Tradition als
Symbole der 3-fachen Jungfräulichkeit Marias (vor, während
und nach Geburt) gedeutet werden.
Zusammenfassend ist man geneigt zu sagen, dass es sich bei
den seltsamen Flugobjekten auf dem Tondo im Palazzo
Vecchio um die Versinnbildlichung von Dogmen des
katholischen Glaubens auf Erden handelt und nicht - wie der
Name des Gemäldes "Madonna dell'ufosuggeriert - um
ausserirdischen Besuch. An einen solchen Besuch glauben
Ufologen schon lange auch vor Christi Geburt, nämlich zur
Zeit der Pharaonen im Niltal, siehe die Glühlampe von
Dendera.
Und die lustigen Figuren in den Himmelsobjekten des Freskos
Crucifixon of Christ 1327 im Kloster Visoki Dečani (Kosovo)
werden sie von ihrem Glauben sicher nicht abbringen.
Wie auch immer man dazu steht, all diese Objekte sind auf
jeden Fall interessante kunsthistorische Kuriosa, auch für
Nicht-Ufologen. KY - 2019 Crucifixion of Christ 1327
Glühlampe von Dendera