Fernand Léger wurde in eine Zeit des Umbruchs in der europäischen Kunst geboren. Künstler wie
Gauguin, Cézanne, van Gogh oder Matisse suchten neue Inhalte und formale Möglichkeiten
bildnerischen Gestaltens jenseits der impressionistischen Überlieferungen. Sie wurden Vorbilder
und Lehrer einer kommenden Generation von Künstlern, die immer noch gegen den erstarrten
Lehrbetrieb der klassischen Akademien rebellierte und sich zur selbstbestimmten Arbeit in
Gruppierungen wie den "Fauves" in Frankreich, der "Brücke" oder des "Blauen Reiter" in
Deutschland zusammenfanden. Besondere Aufmerksamkeit wurde den aus den Kolonien nach
Europa gebrachten Zeugnissen afrikanischer und ozeanischer Stammeskunst entgegengebracht, die
man unvoreingenommen als Objekte von oft außerordentlich hoher künstlerischer Qualität
erkannte. So entwickelte sich die europäische Kunst am Beginn des 20. Jahrhunderts innerhalb
einer Generation stilistisch sprunghaft von der Nachahmung des Sichtbaren zur völligen
Abstraktion. Einer dieser großen Neuerer der Form war Fernand Léger: "1912-13 habe ich
gekämpft, um von Cézanne loszukommen. Sein Einfluß auf mich war so stark, daß ich bis zur
Abstraktion gehen mußte, um mich von ihm zu befreien", sagte er einmal (zitiert nach: Dora Vallier,
La vie fait l'oeuvre de Fernand Léger, in: Cahiers d'Art, XXIX Jahrgang, 1954, S. 159, Wiederabdruck
in: Fernand Léger, Der Rhythmus des modernen Lebens, München/New York 1994, S. 66).
https://www.lempertz.com/en/catalogues/lot/905-1/704-fernand-leger.html