Fernand Léger
1881 –1955
Les deux profils
1928
Sammlung Batliner
Öl auf Leinwand 60 x 92cm Signiert u. datiert
1925 schrieb Fernand Leger in einem nur deutsch überlieferten Manifest ”Sehr aktuell sein” folgende Feststellungen, welche Aufschluß über sein
Verständnis von Avantgarde geben: ”Der Krieg überstürzt das Entstehen einer neuen Welt - die fest, klar und genau ist.. - Die Linie, die Ziffer, die
Sekunde, der Millimeter, die Präzision: das sind unsere Forderungen. Es gibt keine Landschaft mehr, kein Stilleben, kein Gesicht. Es gibt das Bild,
den Gegenstand, das Gegenstands-Bild, den Bild-Gegenstand, den nützlichen, unnützem, schönen Gegenstand.” Für Léger wurde das Erlebnis der
Materialschlachten des Weltkrieges, in welchem er in einer technischen Pioniereinheit diente, zum Katalysator, der ihn seinen eigenen Stil finden
ließ, den ”nouveau realisme”, der keine Sujets, sondern nur noch ”objets moderne”, nämlich die technischen Dinge dieser Welt kannte. Après le
cubisme gab es nur noch die pure Bildwirklichkeit, in der alle Gegenstände untereinander gleich sind und lediglich unter dem Gesetz des
”multiplikativen Kontrastes” stehen. Verdeutlichen läßt sich dies anhand der Erinnerungen Légers zu seiner berühmten La Joconde aux clefs von
1930 (Biot, Musée Léger) ”Eines Tages, nachdem ich einen Schlüsselbund gezeichnet hatte, fragte ich mich, welches das einem Schlüssel
entfernteste Element sei, und ich sagte mir: das ist eine menschliche Gestalt. Ich gehe auf die Straße hinaus und entdecke in einem Schaufenster
das Bild der Mona Lisa. So habe ich das Bild Mona Lisa mit Schlüsseln gemacht [...]. Nie war ein Gegensatz stärker als der zwischen diesem
Schlüsselbund und der Mona Lisa. Dann habe ich noch eine Sardinenbüchse hinzugefügt. Das ergab einen pointierten Kontrast!” Auch in dem
etwas früher den Les deux profils sehr ähnlichen Bild Prafils noir et blanc (Bauquier 573) zeigt sich die provokante Egalität von schattenrißartigen
Gebilden und mehr oder weniger gegenständlich deutbaren Mustern oder Gegenständen wie einem Tisch, Schachbrett, Blatt oder Wasser.
Galten Silhouetten vor der Erfindung der Photographie im 19. Jahrhundert als wertvoller Bildnisersatz, so verwandelte sie Léger in seinem Bild zu
mittels Farb- und Formkontrasten aufeinander bezogenen Bildelementen ohne besondere Bedeutung.