Jeff Koons Naked
mildes Plagiatsurteil für Kunst als Wirtschaftszweig
Eigentlich bräuchte man über Jeff Koons Porzellanfigur nicht viel Worte
verlieren, ausser dass sie seiner Firma Jeff Koons LLC 2008 acht Millionen
Dollar einbrachte. Die gut einen Meter große Skulptur stellt einen
kleinen nackten Buben dar, der einem kleinen nackten Mädchen einen
Blumenstrauß reicht. Nett, aber that's it. Ein typisches Koons Werk zum
Zweck der Geldanlage (oder Geldvernichtung?), und überteuert
obendrein.
Koons hat Erfahrung mit derartigen Werken, wie etwa der Balloon Serie,
die er mit einer Champagnermarke gewinnbringend vermarktete, und
hat sich nie gescheut Massenware herzustellen. Immerhin kommt
dadurch Kunst unter die Leute, könnte man argumentieren. Leider aber
zu horrenden Preisen, lautet das Gegenargument. Das ist aber nicht
seine Schuld meinen die andern.
Schuldig ist Koons aber dass er manchmal mit dubiosen Methoden
arbeitet indem er sich als "Aneignungskünstler" (seine eigenen Worte)
von anderen Kunstwerken derart stark "inspirieren" lässt, dass seine
Werke als Plagiate (contrefons) gelten. Dies ist bei der vorliegenden
Figur der Fall, entschied zumindest ein Pariser Gericht, als die Erben
eines Französischen Fotograf klagten.
Sie beschuldigten Koons er habe 1988 seine Porzellanfigur von einer
Fotografie ihres Vorfahren Jean-François Bauret abgekupfert.
Und bekamen 2017 Recht. Nach Einschätzung des Gerichts kopierte
Koons mit der Skulptur Baurets Fotografie "Enfants" , die 1975 in
Postkartenform veröffentlicht wurde und zwei nackte Kinder in sehr
ähnlicher Pose darstellt. Die Firma Jeff Koons LLC und das Pariser
Centre Pompidou, das die Skulptur ausstellen wollte, wurden
zusammen zu 20'000 Euro Schadenersatz an die Familie des
Fotografen verdonnert. Zusätzlich mussten die Beklagten für die
Gerichtskosten der Zivilkläger in Höhe von 20'000 Euro aufkommen.
Weitere 4000 Euro musste Koons' Gesellschaft zahlen, weil sie die
Skulptur auf ihrer Internet-Seite zeigte. Außerdem soll der Kunst-Star
der Familie weitere 4.000 Euro zahlen, weil er ein Bild der Skulptur für
seine Serie "Banality" verwendete. Schliesslich erliessen die Richter
das Verbot, Baurets Bild weiter zu verwenden. Insgesamt jedoch ein
mildes Plagiatsurteil für Kunst als ein Wirtschaftszweig, in diesem Fall
eine Lappalie im Vergleich zum Wert der verkauften Skulptur (8
Millionen $, und gewissermassen eine Einladung weiterhin
abzukupfern. Koons Arbeiten zählen zu den teuersten Kunstwerken
weltweit.
Natürlich gingen Koons & Co in Berufung. Diese wurde 2019
abgewiesen. Das mag beruhigen, wirft aber folgende Fragen auf. Wie
konnten die Richter entscheiden dass es sich um ein Plagiat handelt?
Bauret Enfants 1975
Der Nachweis für „zu stark ähneln“ bedeutet zumindest kunstbezogen
ein eher unsinniges Unterfangen. Jahrhundertelang galt es als State of
the Art, dass sich Künstler von anderen inspirieren liessen. Das galt
sogar als Anerkennung für den Urheber eines Motivs.
Eine andere Frage wäre, ob heutzutage nicht erst die wirtschaftliche
Potenz einer kunstschaffenden Gesellschaft wie Koons LLC einen Kläger
in möglicher Aussicht auf Lukratives begehrlich werden lässt.
Schliesslich wäre zu bedenken dass besagter Fotograf bzw. seine
Sippschaft mit diesem Foto der Nacktdarstellung von Kindern in unserer
Zeit vermutlich kein Geld machen könnten - Kinderporno und so...das
Bild ist am Internet derzeit zensuriert!.
Da kamen die 20'000 Euro als Schadenersatz wie gerufen!