Jeff Koons Balloon Venus (Orange)
“In der Welt der Kunst ist kein Platz für Urteile und Kritizismus"
Venus Willendorf
Es war eine originelle Idee Jeff Koons' aufgeblasene Venus Hommage
in der Eingangshalle des Wiener Naturhistorischen Museums (NHM) zu
plazieren. Die Besucher konnten sich so 6 Monate lang (Sept. 2015 -
März 2016) in der drei Meter großen auf Hochglanz polierten
Edelstahl-Skulptur spiegeln, was im Hinblick auf die ca 25 000 Jahre
alte Venus von Willendorf zweifelslos beabsichtigt war. Der
steinzeitliche Künstler des Wachauer Fruchtbarkeitssymbols hatte sich
mit bescheidenen elf Zentimetern begnügt.
Koons' Venus im NHM war eine von 5 verschiedenfärbigen Versionen.
In Orange zeigte sie tatsächlich Ähnlichkeit mit jener aus dem
Paleolithikum, im Gegensatz zu ihren kleineren Schwestern (62 x 32 x
35 cm), die der geschäftstüchtige New Yorker Künstler schon Jahre
vorher (2013) für die Champagner Ikone Dom Pérignon entworfen
hatte, zweiteilig, in lackiertem Polyurethan-Harz und in einer Auflage
von 650 Stück. Das spült Geld in die Kassa. Für den Pappenstiel von 15
000 € inklusive einer Flasche Dom Pérignon Rosé Vintage 2003 (oder
Dom Pérignon White Vintage 2004). Jede Flasche mit einem
maintenance kit um die Skulptur eventuell wieder aufblasen zu
können falls sie Luft verliert.
Venus
Es war nicht das erste Mal dass der Champagner-Hersteller Künstler
zum Vermarkten seiner Produkte engagierte. Seine Cuvée Vintage
2000 wurde 2010 von Andy Warhol bespielt. Auch der
Sekthersteller Schlumberger schwamm auf der Kunstwelle als er im
“Klimtjahr” 2012 (Klimts 150er) seine "Klimt Kuss Edition" auf den
Weihnachtsmarkt brachte, zum erschwinglichen Preis von 15 €.
Und auch Mouton Rothschild mit dem Balthus Girl.
Zur Preisentwicklung von Koons' Balloon Venus: die grossen
Versionen handeln sich in 2-stelliger $ Millionenhöhe, während es
die kleinen Champagner Versionen bei Versteigerungen immerhin
schon auf 50 000 € brachten. Kunst vermischt mit Pop, Kommerz
und Selbst-Merchandising. Man kann über diese Kombination
unterschiedlicher Meinung sein. Koons sagte dazu in einem
Interview “In der Welt der Kunst ist kein Platz für Urteile und
Kritizismus. Sobald du beginnst zu urteilen, schwächst du dich selbst.
Das ist auch im Alltag so: Urteile sind wie Torwächter, sie grenzen
aus, sie machen schwach und ängstlich.
Da kann man ihm nur zustimmen. Schade dass er so oft wegen
Urheberrechtsverletzungen verurteilt wird.