In dieser späteren Phase werden die Modelle weder
ästhetisierend wiedergegeben, noch einer idealen Stilisierung
unterworfen, wie in Zeiten der frühen Secession oder des
„Goldenen Stils“.
Hat auf sexuelle Enthaltsamkeit freilich verzichtet. hatte zumindest
mit zwei seiner Porträtierten aus grossbürgerlichen Kreisen eine sexuelle
Beziehung, mit Adele Bloch-Bauer und mit Rose von Rosthorn-Friedmann.
Letztere wurde von Alma Mahler, ehemals in Klimt verliebt, giftig als «alte
Scharteke» bezeichnet: Klimt «nimmt, wo er findet». Manche Modelle sind
auch deswegen schwer identifizierbar, weil sie Klimt - zumindest in seiner
jüngeren Phase (Zeit der frühen Secession und des „Goldenen Stils“)
ästhetisierend wiedergab, bzw. einer idealen Stilisierung unterwarf. Unter
den Zeichnungen liegen die Namen der meisten Modelle deswegen im
Dunkel, weil sich Klimt bei ihrer Darstellung aus anonymen
zeitgenössischen Aktphotos anregen liess.
Heute, im Zeitalter des Neopuritanismus, der die künstlerische Darstellung
von Sexualität zunehmend Kriterien politischer Korrektheit unterwerfen
will, könnte sich die Kritik an Klimts Kunst noch einmal radikalisieren. Dann
würden wohl bald Stimmen laut, welche die Entfernung so mancher seiner
erotischen Bilder aus den Museen forderten.