Gustav Klimt - Wasserschlangen II
ein 170 Mio $ Kunstwerk mit viel Hader
Das Gemälde stammt aus Klimts Goldener Periode und zeigt
Wassernymphen in trauter Zweisamkeit. Ob das Bild die lesbische
Liebe oder gar eine Orgie symbolisiert, sei dahingestellt. Jedenfalls
schaut die vordere Nymphe den/die BetrachterIn sehnsuchtsvoll an,
und ihre Schamhaare sind sichtbar. Für die damalige Zeit eine sehr
gewagte Darstellung. Die etwas weniger explizite erste Version
(Wasserschlangen I) hängt im Belvedere Wien.
Gekauft wurde das Gemälde von der jüdische Seidenfabrikantin und
Kunstsammlerin Jenny Steiner (Wien) 1911. Nach 1938 wurde es
beschlagnahmt ("arisiert" hiess es damals), und an NS-Filmregisseur
Gustav Ucicky (eines der 14 nachweislich unehelichen Kindern
Klimts) vermittelt. Seine Witwe Ursula erbte das Bild 1961. Es hatte
damals einen Schätzwert von 100.000 Schilling. Als sie es Ende der
1990er Jahre veräussern wollte, wurde sie von zwei Erbengruppen
der Familie Steiner mit dem Vorwurf von Raubkunst konfrontiert
(Buch Czernin). Damit begann eine Serie von Ungemach für alle
beteiligten Personen.
Port Franc Genève
Nachdem sich Ursula Ucicky und die Erben geeinigt hatten am
Erlös des Bildes zu gleichen Teilen teilzuhaben, wechselte
letzteres im Sommer 2013 über einen von Sotheby's gemakelten
Private Sale für 112 Mio $ den Besitzer. Die dabei anfallende
Provision für den Vermittler Peter Weinhäupl, kaufmännischer
Leiter des Leopold Museum Wien, führte zu einer
Verstimmung??? Der Käufer blieb zunächst unbekannt, wie sich
aber spätere herausstellte, war es der Genfer
Zollfreilagermagnat Yves Bouvier. Der Erlös sollte zu gleichen
Teilen an beide Parteien ausbezahlt werden, führte jedoch zu
einem 56 Mio $ Disput unter den Steiner-Erben. Es sollt nicht
der letzte bleiben.
Mit ihrem Hälfteanteil gründete Ucicky die Klimt-Foundation, in
die sie teils weitere belastete Kunstwerke einbrachte und
Weinhäupl zum Stiftungsvorstand auf Lebenszeit berief. Dies
führte zu einer Parlamentarischen Anfrage zur Verquickung von
Klimt-Foundation und Leopold-Museum.
Gustav Klimt - Wasserschlangen I (Belvedere Wien)
Erst später wurde bekannt dass Yves Bouvier, der das Bild
physisch nie besessen habe, es in einem private sale nur einen
Tag nachdem die Rechtsanwälte den Vergleich in Wien finalisiert
hatten, für stolze 183 Mio $ an den russischen Oligarchen
Rybolovlev verkauft hatte. 60 Mio $ Gewinn in 24 Stunden, das
war auch Rybolovlev zu viel. Er klagte. Der Streitwert wuchs
rasch auf insgesamt eine Mia $ an, denn es war nicht das erste
Bild das Bouvier an Rybolovlev «vermittelt. Was letzteren
aber nicht daran hinderte, das Bild - das zwischenzeitlich im
Genfer Freeport lagerte - seinerseits wieder zu verkaufen.
Wiederum in einem private sale. Ende 2015 verliess es Genf und
ging an eine Prinzessin in Katar. Seither ist es verschwunden und
der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Schade.?????
In 2013, Bouvier bought the painting from “the daughter of
a Qatari Emir,” then sold it to the Russian oligarch Dmitry
Rybolovlev for $183 million. Rybolovlev later sold the
painting “to Asia,” according to Bloomberg.
https://airmail.news/arts-intel/highlights/to-catch-a-klimt-1161
Das bisherige Fazit: es gibt wenige Kunstwerke, die in einer so
kurzen Zeit so viel Hader heraufbeschworen haben. Bei einem
Bild dieser Preisklasse kein Wunder. Nur Klimt hätte sich
gewundert.