Klimt - Bildnis Gertrud Loew
Material für einen Film
Es gilt als das zarteste Frauenportrait das Klimt je schuf. Es entstand 1902 im
Auftrag des Sanatoriumsbesitzers Anton Loew zur Verlobung dessen 19-
jährigen Tochter Gertrud (Gerta). Wie ein Foto bestätigt, war sie
ausnehmend hübsch. Die damalige Kunstkritik überschlug sich: "Die
duftigste Lyrik, deren die Palette fähig ist", schrieb ein Kunstkritiker. Das
Reformkleid der jungen Frau stamme aus dem "Salon Flöge" der berühmten
Klimt-Muse und Lebensgefährtin Emilie Flöge. Das extreme Hochformat des
Bildes (140 x 45 cm) sei dem Einfluss aus Japan geschuldet.
Wie so viele Klimt Bilder hat auch dieses eine ungewöhnliche Geschichte.
Nach Gertas erster Ehe mit Hans Arthur Eisler von Terramare heiratete sie
1912 in zweiter Ehe den ungarischen Industriellen Elemer Baruch
von Felsövanyi, der 1923 starb. Das Bild blieb in ihrem Privatbesitz bis sie
1939 als Jüdin vor den Nazis fliehen musste. Um 1941 ging ihr Gemälde
unter ungeklärten Umständen in den Besitz des NS-Propagandaregisseurs
Gustav Ucicky über, der es nach seinem Tod 1961 seiner Frau Ursula
vermachte. Wie aus anderen unter ähnlichen Umständen erworbenen
Gemälden (Wasserschlangen II) geschlossen werden kann, handelte es sich
dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit um nichtige Rechtsgeschäfte, und damit
um entzogene Kunst.