Zur Identität der Judith I: in der einschlägigen Literatur wird sie
meistens Adele Bloch-Bauer zugeordnet, obwohl ein Klimt-Experte
(Alfred Weidinger) schon 2012 auf die Ähnlichkeit mit einer anderen
Geliebten Klimts hinwies, nämlich auf Anna von Mildenburg, einer
gefeierten Wagner-Interpretin. Allerdings basiert diese Zuordnung
nur auf Ähnlichkeiten der Kinn- und Nasenpartie auf schwarz-weiss
Photos, sowie auf den hoch angesetzten, starken Augenbrauen.
Vorbereitende Zeichnungen zu diesem Gemälde scheinen nicht
erhalten zu sein.
Das könnte sich jetzt ändern: im Juni 2019 kam Im Kinsky eine
Portraitzeichnung Klimts zur Auktion. Dieses "Brustbild einer Dame"
stammt –so wie ursprünglich Judith I - ebenfalls aus der Sammlung
des Wiener Sanatoriumsbesitzer Anton Loew. Die Identität dieser
Dame mit hellblauen Augen und Wuschelkopf ist unbekannt, im
Begleittext wurde jedenfalls kein Name erwähnt. Erst eine besonders
motivierte Journalistin einer öst. Tageszeitung (OK aus DerStandard)
glaubte die Ähnlichkeit der abgebildeten Dame mit jener im Gemälde
Judith I. erkannt zu haben, mit anderen Worten, es könnte sich in
beiden Fällen um Anna von Mildenburg handeln. Das wäre eine
kleine Sensation. Was dafür spricht: Löws Tochter Gerta Loew-
Felsövanyi, war eine Opernnärrin und könnte Bilder von Mildenburg
besonders geschätzt und als Geschenk von ihrem Vater erhalten
haben. Warum sie allerdings nach dessen Tod die Judith I. 1920 in
Genf versteigern liess, ist unverständlich. Brauchte sie Geld ?
Anna Mildenburg
Brustbild einer Dame 1898