Gustav Klimt Bildnis der Emilie Flöge
Das Schicksal eines verschmähten Bildes
Musen
Emilie Flöge war nicht nur Klimts Muse und Lebensgefährtin, sondern
auch eine erfolgreiche Modeschöpferin. Sie hatte den Beruf der
Schneiderin erlernt, etablierte sich mit 30 Jahren und führte ab 1904
gemeinsam mit ihren Schwestern einen erfolgreichen Wiener Haute-
Couture-Salon. Das können nicht alle Musen von sich behaupten.
Das vorliegende Portrait entstand 1902, da war Emilie 28 Jahre alt. Es
zeigt sie in einem Reformkleid mit einem von Klimt entworfenen Muster.
Reformkleider waren ihr Markenzeichen, mit denen sie noch vor Coco
Chanel die Frauen vom damals üblichen Korsett befreite.
Der Muse gefiel das Portrait aber nicht. Warum, ist ungeklärt. Hatte sie
auf dem Bild zu wenig Busen, war der Entwurf des Musters nicht nach
ihrem Geschmack, nicht alle Reformkleider wurden ja ein kommerzieller
Erfolg. Auch Klimt schien es nicht geschätzt zu haben, denn das
ungeliebte Bild wurde 1908 an das Historische Museum der Stadt Wien,
heute Wienmuseum, verkauft, wo es noch immer ist.
Im Lichte vieler anderer Porträts die Klimt schuf und die aus Österreich
abwanderten, muss dies als Glücksfall angesehen werden. Man braucht
nicht mehr bis New York zu pilgern, um es zu sehen, so wie zu einer
anderen Klimt-Ikone der kulturellen Identität Österreichs ;-)