Die Antwort findet man in den damaligen großbürgerlichen
Künstlersalons Wiens, allen voran jenem der Bertha
Zuckerkandl-Szeps, einer umtriebigen Publizistin, Gattin des
berühmten Anatomen Emile Zuckerkandl. Im Rahmen der
Salonabende über dem Café Landtmann in der Oppolzergasse
gab es für Künstlerfreunde auch wissenschaftliche Vorträge,
darunter welche mit Dia-Projektionen von Blutgefäßen,
Hirnzellen und…. Blastocysten. Klimt hat daran teilgenommen.
Kunst und Wissenschaft gaben sich die Hand.
Das Motiv der befruchteten Eizelle wurde auch von späteren
Künstlern aufgegriffen. Besonders originell ist das
"Maschinchen" von Max Ernst, mit seiner kryptischen Inschrift
"Von Minimax Dadamax selbst konstruiertes Maschinchen für
furchtlose Bestäubung weiblicher Saugnäpfe zu Beginn der
Wechseljahre u. dergl. Furchtlose Verrichtungen" in der Peggy
Guggenheim Collection in Venedig. Im Bild entdeckt man zwei
kugelige rötliche Bläschen (eine am Ausgang des
Wasserhahns, die andere im Glaskörper) die als vergrösserte
Ovozyten gedeutet werden können. Was mit den “weiblichen
Saugnäpfen” gemeint ist, und wie deren Bestäubung erfolgen
soll, hat uns Max Ernst nicht verraten. Ob er ahnte dass sein
“Maschinchen für furchtlose Bestäubung weiblicher
Saugnäpfe” von einem damals noch ungeborenen
Wissenschaftler (Carl Djerassi, Miterfinder der «Pille» und
eifriger Paul Klee Sammler) sabotiert werden würde ?
Bertha Zuckerkandl-Szeps Carl Djerassi
Max Ernst Maschinchen 1919/20