Gustav Klimt - Beethovenfries
wie die Republik Österreich zu einem billigen Klimt kam
Der Fries ist ein Bilderzyklus, der 1901 gemalt, und 1902 erstmals an den
Wänden der Wiener Secession befestigt wurde. Er ist Ludwig van Beethoven
gewidmet und gilt er als ein Hauptwerk des Wiener Jugendstils. Mit seinen
34 Meter Länge und 2 Meter Höhe kann er seit 1986 in einem eigenen Raum
im Kellergeschoß der Secession besichtigt werden.
Das Thema des Frieses bezieht sich auf Richard Wagners Interpretation der
IX. Sinfonie von Ludwig van Beethoven, und stellt mit allegorischen Figuren
die Sehnsucht nach dem Glück dar, die im idealen Reich der Künste gestillt
wird. Drei Themengruppen sind auf drei U-förmig angeordnete Wände
verteilt. Links zeigt es die Sehnsucht nach Glück und das Leiden der
schwachen Menschheit. In der Mitte wüten die feindlichen Gewalten, wie
der Riese Typhoeus, gegen den selbst Götter vergebens kämpften, und seine
Töchter, die drei Gorgonen. Rechts findet die Sehnsucht nach Glück Stillung
in der Poesie. Der Chor der Paradiesengel singt dabei Freude, schöner
Götterfunke“ und „Diesen Kuss der ganzen Welt!“.
Es wäre nicht das damalige Wien gewesen, wenn der Fries, ähnlich den
Fakultätsbildern von Klimt, nicht auf heftige Kritik gestoßen wäre. Gustostück
aus der Wiener Zeitung: "Der scheußliche Gorilla, die schamlosen Caricaturen
der edlen Menschengestalt das sind keine Kunstwerke mehr das sind
Beleidigungen unserer heiligsten Gefühle" (22. April 1902)
Der Zyklus, der ursprünglich als temporäres Kunstwerk gedacht war, wurde nach
der Ausstellung in sieben Panele zerlegt und 1907 vom Kunstsammler Carl
Reininghaus erworben. Von diesem erstand ihn 1915 der Großindustrielle
August Lederer und seine Ehefrau Szerena. Lederer war Klimt bereits früher
beim Rückkauf seiner umstrittenen Fakultätsbildern zur Seite gestanden.
Was dann folgte, ist eine Odyssee von Versäumnissen und Unrechtmäßigkeiten.
Sie begannen 1938 mit der Enteignung von August Lederer durch die
Nationalsozialisten. Grund: er war Jude. In der Folge lagerte der Fries unter teils
desaströsen Bedingungen in verschiedenen Lokalitäten bis nach dem Zweiten
Weltkrieg. Ab 1943 etwa wurde er ins Schloss Thürnthal bei Fels am Wagram
zusammen mit anderen geraubten Kunstschätzen aus Frankreich (u. a. Teile der
Sammlung Rothschild) verlegt.
Nach dem Krieg erhielt ihn zwar August Lederers Sohn Erich zurück, dessen
Ausfuhransuchen wurde aber vom Bundesdenkmalamt mit dem Verweis auf die
gesetzliche Lage („Ausfuhrverbotsgesetz“) abgelehnt. Damit befand sich der in
Genf ansässige Lederer in der verzwickten Situation ein Kunstwerk zu besitzen,
es aber nicht an sich nehmen zu können.
Im Jahre 1956 wurde dann der Fries von Schloss Thürntal nach Stift
Altenburg (NÖ) verlegt, und kam dann 1961 ins Depot der
Österreichischen Galerie und damit in die ehemaligen Pferdestallungen
des Belvedere. 1973 war es dann so weit: Erich Lederer war mürbe und
verkaufte den Fries an den österreichischen Staat für bescheidene 15
Millionen Schilling. (heute ca 1 Mio €) Die Restaurationsarbeiten der
schwer mitgenommenen Friese durch das Bundesdenkmalamt konnten
beginnen. Dem waren langjährige Verhandlungen vorrausgegangen in
denen auf beiden Seiten hässliche Worte fielen, und die insbesondere die
Republik aus heutiger Sicht in keinem guten Licht erscheinen liessen
(siehe unten). Trotzdem zeigte sich Lederer in Kontakten mit
Bundeskanzler Bruno Kreisky befriedigt darüber, dass der Fries der
Öffentlichkeit erhalten blieb. Als gelernter Österreicher verfasste er 1970
eine folgenschwere Widmung: "Herrn Bundeskanzler Dr. Bruno Kreisky,
der sich durch den Erwerb dieses Frieses unbewusst, auf dauernde Zeiten
in der Kunstgeschichte Österreichs ein Denkmal gesetzt hat, aufrichtigst
und ergeben Erich Lederer". Das hätte er besser sein gelassen, denn...
Im Jahre 2013 kündigen die Erben nach Erich Lederer an, die neue
Rechtslage auf Grund der Novelle 2009 des Kunstrückgabegesetzes zu
nützen, um auf Annullierung des 1973 erfolgten Kaufs durch die Republik
Österreich zu klagen und die Ausfolgung des Frieses zu verlangen. Laut
ihnen hätte die Republik das Ausfuhrverbot als Druckmittel benutzt, um
Lederer zum Verkauf zu nötigen.
1956 Stift Altenburg
Zwar habe der Erbe des Frieses, Erich Lederer, diesen 1945
zurückbekommen, doch sei es als „Geisel in Österreich" behalten worden.
Österreich habe versucht, sich die finanziell schwierige Lage Lederers
zunutze zu machen, schildern die Experten. „Streng vertraulich schrieb
etwa die Finanzprokuratur 1953 an das Bundesdenkmalamt, es gebe
möglicherweise Gebührenforderungen von 100.000 Schilling an Lederer:
„So bestünde vielleicht für die Republik Österreich die Möglichkeit, unter
günstigen Bedingungen zum Fries zu kommen». Und Lederer im Juni 1970
aus Genf: «... um dem makabren Wettlauf um meinen Tod ein Ende zu
setzten...». Keine schönen Worte fürwahr. Man merkt die Absicht und ist
verstimmt.
In dieser angespannten Situation wurde der Kunstrückgabebeirat gemäß
§3 des Bundesgesetzes über die Rückgabe von Kunstgegenständen aus
den Österreichischen Bundesmuseen zugezogenen. Dieser empfahl 2015
auf die Forderung der Erben nicht einzugehen, da der Kaufvertrag zwischen
der Republik und den Erben der früheren Eigentümer als rechtens
angesehen werde. Der Minister erklärte dieser Empfehlung zu folgen.
Seither befindet sich der auf Staatskosten restaurierte Fries auch rechtens
im Besitz der Republik. Man sollte aber die Begleitumstände seiner
Anwesenheit in der Wiener Secession nicht vergessen wenn man
davorsteht.
Juni 1970