Munk III: Das Bild blieb unvollendet - und doch gelang es dem Maler, einen entscheidenden Hinweis zur
Identität der Porträtierten darin unterzubringen. Rechts oben im Bild befindet sich der Hinweis: Klimt hat
dort eine rosa Knolle eingefügt. Es ist eine Alraunwurzel, die in der Alchemie als ein Aphrodisiakum gilt -
und der Roman, mit dem Hanns Heinz Ewers 1911 in Wien für Aufsehen sorgte, hieß "Alraune". Die
Hauptfigur des Buches ist eine junge Frau, die promiskuitiv und sexuell pervers ist und dabei zur Liebe
unfähig scheint.
Wollte Klimt in seinem Bild andeuten, dass die Alraunenfrau aus Ewers Buch Ria Munk war? Und wenn
nicht nur er, sondern auch andere in der Wiener Gesellschaft diese Verbindung sahen, wie war es dann
um den Ruf der Bürgerstochter nach Erscheinen des Romans bestellt? Wir wissen es nicht. Genauso
wenig, wie wir wissen, ob das Buch bei Ria Munks Selbstmord eine Rolle spielte.
Das Gebilde im rechten oberen Drittel des Gemäldes wurde als eine Alraunenwurzel gedeutet, der
magische und aphrodisierende Wirkung zugesprochen wird (vgl. Marian Bisanz-Prakken, 2009). Die Wahl
dieses Bildmotivs ist gewiß kein Zufall, denn kurz vor Ria Munks Suizid erschien der Roman Alraune von
Hanns Heinz Ewers, der wegen seines voyeuristischen –reißerischen Inhalts für einen Skandal sorgte.
Klimt - Munk III (unvollendet) 1918?