Paul Klee - Der Niesen-Ägyptische Nacht
Diebstahl
Der Niesen am Thunersee war nicht nur Hodlers sondern
auch Klees Lieblingsberg. Im vorliegenden Aquarell gab
er dem Berg die Gestalt einer gyptischen Pyramide, was
hinsichtlich der Form nicht verwunderlich ist, denn der
Niesen ist in gewissem Maße eine Pyramide.
Verwunderlich hingegen ist das Entstehungsdatum 1915.
Das war noch lange vor Klees Reise nach gypten
1928/29. Klee war also schon vorher im Geiste dort. Das
besttigen auch einige frhere Werke mit
gyptisierenden Titeln und Sujets.
Elemente einer zustzlichen Orientalisierung sind der
nächtliche Mond und der Stern, sowie die Farbfelder, die
an die Aquarelle der legendären Tunis-Reise erinnern, die
Klee mit seinen Künstlerfreunden August Macke und
Louis Moilliet kurz vorher (April 1914) unternommen
hatte. Kennen gelernt hatten sich die drei Konsorten am
Thunersee, Macke arbeitete in Hilterfingen, und Moilliet
wohnte in Gunten. Ein Künstlernest halt.
Der Niesen im Mondschein
Pyramiden
Der Aufenthalt in Tunis war ein Wendepunkt in der
künstlerischen Arbeit von Paul Klee. War er bis jetzt eher
ein Zeichner und Grafiker gewesen, entdeckte er jetzt die
Farbe. Die Erfahrung der Landschaft Nordafrikas hatte ihn
zu einer radikal neuen Auffassung der Abstraktion
geführt. Seine neue Kühnheit in der Umformulierung von
Natureindrücken zeigt sich wohl am grossartigsten im
vorliegenden Aquarell, das zu seinen berühmtesten
Arbeiten überhaupt zählt.
Das Bild befand sich im Kunstmuseum Bern als es dort
1976 gestohlen wurde, und zwar nicht aus einer
Ausstellung, sondern aus dem Studienraum, wo Werke
der graphischen Sammlung auf Voranmeldung
eingesehen werden können. Seither galt es als
verschollen.
Erst nach 25 Jahren (2001) tauchte es in Basel über einen
deutschen Rechtsanwalt wieder auf und wurde
restituiert. Es hatte sich vermutlich als unverkäuflich
herausgestellt. Ob dabei Geld geflossen ist, wäre
herauszufinden. Jedenfalls wurde der Diebstahl nie
aufgeklärt. Das Gemälde ist wieder in Bern.
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Klee Ad Parnassum
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