Paul Klee - Zwei Männer, einander in höherer Stellung vermutend,
begegnen sich
Unterwürfigkeit auf höchstem Niveau
Es ist nicht leicht die Verlogenheit gesellschaftlicher Rituale
künstlerisch darzustellen. Was den Hang zur Unterwürfigkeit betrifft,
ist es Paul Klee in seiner herrlich ironischen Radierung gelungen. Da
stehen sich zwei Potentaten in tiefer Verbeugung gegenüber, beide
nackt und ohne Orden, also nicht eruierbar, wer im Rang höher ist.
Klee sagt es nicht, aber an den Bärten ist leicht erkennbar dass es
sich um die beiden Kaiserlichen Hoheiten Wilhelm II. (links) und
Franz Josef I. (rechts) handelt. Wir schreiben das Jahr 1903, also die
Zeit wo sich die beiden Kaiser aus Anlass verschiedenster Ereignisse -
und im Rahmen ihres Wettstreites um die Vorherrschaft in Europa
öfters besuchten. Anderer Wettstreit: wer von ihnen verneigt sich
nun tiefer, der jüngere Hohenzoller oder der ältere Habsburger?
Wie auch immer, das Werk ist eine Reise ins PKZ Bern wert,
besonders für Hipster mit Backenbart- und gezwirbelter Schnauzbart
Nostalgie. Beim unheilvollen Stummelbart eines späteren Gefreiten
fiel Klee nichts mehr ein.
Ricci Franz I & Karl V
mit Paul III 1687
Andere Beispiele von gespielter Unterwürfigkeit unter Herrschern:
Sebastiano Ricci - François Ier et Charles Quint se réconcilient sous
l’impulsion du pape Paul III. in Aigues Mortes (1687)
Diego Velázquez - Die Übergabe von Breda, welche der spanische Königs
Philipp IV seinem Feldherr Spinola verdankt; im Bild tritt der
Repräsentant der unterlegenen Niederländer (links) dem siegreichen
Spinola (rechts) in Demutshaltung entgegen, und wird von diesem in
einer seltenen Geste des politischen Grossmuts aufgerichtet (1635).
Giorgio Vasaris Deckenfresco im Palazzo Vecchio (Florenz), wo Lorenzo
di Magnifico beim König Ferdinand I. von Aragon in Neapel vorsprach,
um eine Invasion des mit Papst Sixtus IV. Verbündeten zu verhindern.
Mit Erfolg (1556/58).
Tizian - Paul III. Und seine Nepoten; seine Heiligkeit wird von seinen
Enkeln Kardinal Alessandro Farnese (links) und Herzog Ottavio Farnese
in unterwürefigster Weise hofiert (1568).
Wo geht der Weg zum Erfolg ? Immer der Schleimspur nach !