«Ad Parnassum» im Zentrum Paul Klee - eine konservatorische «Sensation
Das Werk «Ad Parnassum», das seit 1935 als Dauerleihgabe des Vereins der Freunde zur Sammlung des Kunstmuseum
Bern gehört, wird zum ersten Mal seit 14 Jahren wieder ausgeliehen: Aufwändige Untersuchungen haben es möglich
gemacht, das ebenso berühmte wie empfindliche Werk ins nahegelegene Zentrum Paul Klee zu überführen. Der
delikate Zustand des relativ grossen Gemäldes liegt in der Arbeitsweise von Klee begründet: Dieser war nicht nur
inhaltlich und formal, sondern auch technisch experimentierfreudig. Im Fall von «Ad parnassum» verwendete der
Künstler eine Mischung von Kasein- und Ölfarben, die mit der Zeit spröde wurden. Bruchrisse machen die Haftung der
Farschicht unstabil; Vibrationen und Klimaveränderungen können dem Bild unwiederbringlichen Schaden zufügen. Paul
Klee hat den fragilen Aufbau des Bildes selber detailliert beschrieben:
«Attest des Künstlers»
a. viereckige Gliederung als Grundlage; technisch Kaseinfarben auf ungrundierter Leinwand
b. Kleinteilung mit weißer Ölfarbe
c. Lasur dieser Kleinteilung mit Ölfarben, welche mit Terpentinöl und etwas Malmittelzusatz verdünnt wurden
d. der warme Kreis Ölfarbe
e. die Linie Ölfarbe
Um die Erschütterungen abzuschätzen, denen das Gemälde bei seiner Reise in das Zentrum Paul Klee ausgesetzt ist,
wurde ein Transport unter realistischen Bedingungen simuliert und wissenschaftlich ausgewertet. Für die Simulation
wurde ein Versuchsgemälde mit gleicher Grösse, gleichem Gewicht und ähnlichem Leinengewebe in vergleichbarer
Spannung verwendet. Dieses «Testbild» wurde mit dem originalen Rahmen, mit bruchsicherer Schutzverglasung und
einem Rückseitenschutz versehen. Als Transportverpackung diente eine Klimakiste mit Wärmedämmung und
massgefertigter Polsterung. Am Gemäde selber sowie in-und ausserhalb der Kiste wurden Geräte für die Aufzeichnung
der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und der Erschütterungen befestigt. Der Transport wurde mit einem klimatisierten
und luftgefederten Spezialfahrzeug durchgeführt. Die Untersuchungen ergaben, dass die spezielle Transporttechnik die
Vibrationen auf dem Weg vom Kunstmuseum Bern ins Zentrum Paul Klee so stark reduzierte, dass dieser Transport
bewilligt werden konnte.