Paul Klee - Kleine Experimentier Maschine (1921)
Die Technik des Bildes, die Ölpause auf Papier, verrät Klees Absicht, ein automatisches Bild herzustellen. Das
Durchdrücken, das Pausen, ist ein mechanischer Herstellungsprozess. Und was produziert er? Eine Maschine,
die, wie bei der Zwitscher-Maschine, mit einer Handkurbel gespannte, dünne waagerechte Drähte oder Saiten,
hin- und her bewegt. Auf den Saiten sind wiederum senkrechte kleine Installationen aus Scheiben,
Halbmonden, Blättern, Ballons oder Fähnchen befestigt, die beim Kurbeln in Bewegung gesetzt werden. Das
Halbfertige, der Schmutz der geschmierten Maschinenglieder, wurde perfekt durch das Pauspapier auf das
Trägerpapier übertragen. Die schwarzen Linien kontrastieren mit der gelben Aquarellfarbe: die Kleine
Experimentier Maschine wird ausgeleuchtet, verstärkt durch den gelben Farbrahmen des Kartons.
Die Vorzeichnung, 1921, 44 (Feder auf Papier auf Karton, 18,4 x 28 cm) zum Blatt (Abb. 6) sst einen
identischen »Versuchsaufbau« erkennen, doch ist das Motiv, im Verhältnis zur Blattgrösse, grösser
dimensioniert. In der linken oberen Hälfte der Maschine ist das Wort »Zwitsch« an einen kleinen rotierenden
Propeller geschrieben. »Zwitsch« wie Zwitscher-Maschine? Der Gedanke liegt nahe. Gerade Die Zwitscher-
Maschine, die nur ein paar Wochen nach dieser MoMA-Ausstellung als »Entartete Kunst« in München
ausgestellt werden sollte und über den Kunsthandel 1939 in die Sammlung des Museum of Modern Art
gelangte. Und welche für Barr kunsthistorisch so bedeutend war, dass er sie 1946 in der dritten Auflage des
Kataloges zur Ausstellung Dada Fantastic Art Surrealism auf dem Frontispiz abgedruckte. Die Zwitscher-
Maschine verbreitete ab den 1930er Jahren ihre Botschaft in den Staaten und wurde zu einer Ikone des
Abstrakten Expressionismus.
https://www.zwitscher-maschine.org/archive/?offset=1473621285960