Francisco de Goya - Marquesa de Santa Cruz
Portraits einer Markgräfin schreiben Weltgeschichte
Nur wenige Portraits ungekrönter Häupter schreiben Weltgeschichte. Dazu
gehört jenes der Marquesa de Santa Cruz. Der damals schon gehörlose
Francisco Goya fertigte es um 1805 als Spätwerk in mindestens 2 Versionen
an, zunächst eine gewagtere im Stil der nackten Maja, leicht bekleidet, Erato,
die Muse der Liebesdichtung, darstellend, mit tiefem Decolleté, ohne Locke
und ohne Schuhe, und dann eine "artige“ Version mit verkleinerter Brust,
Locke und Schuhen aus Seide. In beiden Versionen hält die Frau Gräfin eine
Lyra in der Hand, in deren neoklassizistischen Ornament das politisch
geschulte Auge ein geschichtsträchtiges Symbol erkennt: ein Baskenkreuz
(Lauburo), das frappant dem Hakenkreuz ähnelt. Beide Gemäldeversionen
haben eine bewegte Geschichte.
Die züchtige Version: das Detail der Swastika entging nicht einem anderen
bekannten Francisco, nämlich dem Machthaber Franco, der es seinem
Diktator-Kollegen Adolf Hitler als Schmuckstück für dessen geplantes Nazi-
Museum in Linz schenken wollte. Die Unterredung in Hendaye 1940 verlief
aber nicht nach seinem Geschmack, sodass er einen Rückzieher machte: er
hatte Zweifel, ob es sich nun noch lohne, das Bild Hitler zu verehren. Das Bild
wurde 1980 von den Erben Francos verkauft, und von einem Fleischhauer
illegal für einen Pappenstiel in die USA verscherbelt wo es zu einer Auktion
gelangen sollte. Nach Protest der Spanier wurde diese aber abgeblasen. Seit
dieser Zeit schmückt es den Prado in Madrid.
Franco & Hitler
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