Giotto di Bondone - Der Tod des Hl. Franziskus
Einen Jux will er sich machen
Sie liegt ein wenig abseits der grossen Touristenströme, die
Basilika des Heiligen Franz im italienischen Assisi. Trotzdem
erfreut sie sich eines regen Besuchs, von allem jener
Kunstgeniesser, die Giottos Freskenzyklus in der Oberkirche
bewundern wollen.
Kurioserweise fiel bis vor kurzem niemanden auf, dass sich
der Wegbereiter der Renaissance hier ein humorvolles
Kabinettstück geleistet hat: im Fresko No 20 versteckte er in
den Wolken eine Fratze mit spitzer Nase, strengem Kinn,
bösem Grinsen und zwei scharzen Hörnern. Offenbar der
Teufel in Person. Simple Paréidolie?
Als dieses Detail 2011 von einer Historikerin entdeckt wurde,
ging ein Rauschen durch den internationalen Blätterwald. Wie
konnte man diesen Teufel 800 Jahre lang übersehen? Die Idee
des "Versteckens" einer Figur in den Wolken kannte man zwar
von Mantegnas St Sebastian Gemälde aus dem 15. Jhdt. siehe
Pferd mit Reiter in der Wiener Version Giottos Teufel war aber
eindeutig früher dran.
Stellt sich natürlich die Frage, warum hat er dies getan ?
Darüber gehen die Meinungen auseinander. Die einen glauben
dass es im Mittelalter ein weit verbreiteter Glaube war, dass
Dämonen im Himmel wohnen und das Aufsteigen der
menschlichen Seele verhindern, die anderen glauben dass beim
Tod eines Menschen zwei Figuren aufeinandergeraten: ein
Engel, der die Guten in den Himmel bringt, und ein Teufel, der
die Verdammten in die Tiefen der Hölle zieht.
Alles gut und schön. Die Hypothese, Giotto habe sich vielleicht
so wie Nestroy -nur einen Jux gemacht, wurde bis jetzt noch
nicht diskutiert. Dies ist somit geschehen.
Mit einem Csrds als Draufgabe vor dem Fresko in der Kirche
https://www.youtube.com/watch?v=vZIuT-wK0OY