Gauguin-Patineurs dans le parc de Frederiksberg
Gauguin war kein Meister. Vor allem nicht in seiner Zeit, die eine Zeit der Meister war. Es gab jene, die
noch die schamhaargenaue Malerei der klassischen Akademien beherrschten. Und es gab die anderen,
die mit Tubenfarbe, Tempo und Talent dem Leuchten der Felder und den Rauchschwaden der Moderne
folgten. Gauguin aber war borniert. Und also nicht von der Überzeugung abzubringen, die Kunst sei der
beste Weg für ihn, zu Geld und Ansehen zu kommen. Er unternahm viel, der Welt zu gefallen, sich ihr zu
verkaufen –mit mässigem Erfolg allerdings. Erst hat er versucht, es so gut wie die anderen zu tun –und
ist auf den Spuren seines Lehrers Pissarro oder den Pfaden von Cézanne gewandelt, hat sich zugleich
aber auch um einen Platz im offiziellen Salon beworben. Dann hat er jahrelang an seiner Unique Selling
Proposition gewerkelt, ist dafür mehrfach um die halbe (französischsprachige) Welt gereist und hat
dabei Geld und Gesundheit aufs Spiel gesetzt –auch dies ohne durchschlagende Wirkung.
Ein paar Jahre später malt Gauguin «Skaters in Frederiksberg Gardens». Die Malerei ist um einen schräg
durch den Raum gelegten Baum herum organisiert –ein immer wieder vorkommendes Motiv. Mit
kurzen, flirrenden Pinselstrichen stellt er einen Wald vor uns hin, der eben dabei ist, sein farbiges
Herbstlaub abzuwerfen. Der Boden ist übersät davon –ein leuchtender Teppich in Rot, Orange, Gelb und
Grün. Von rechts schiebt sich das Ende eines kleinen Sees ins Bild. Die Oberfläche ist gefroren, und
Schlittschuhläufer gleiten übers Eis. Es braucht einen Moment, bis man merkt, was hier nicht stimmt:
Wenn das Herbstlaub noch rot an den Bäumen hängt, dann dürften auch in den Gärten von Kopenhagen
die Seen noch nicht zugefroren sein. Wir haben es also hier ganz und gar nicht mit einer Impression zu
tun, sondern im Gegenteil mit einer reinen Konstruktion. Es geht Gauguin auch hier nicht um das, was
er sieht, sondern um das, was er sehen will, um das Typische. Und ist das Typische nicht der Zwilling des
Primitiven?
http://www.nzz.ch/feuilleton/gauguins-worlds-in-kopenhagen-mischen-impossible-ld.84813