Max Ernst hinterließ auch keinen Hinweis zum Anlass seiner Kreation. Er lebte damals in
erster Ehe mit der 25-jähriger Kunsthistorikerin Louise Strauss, und lachte sich kurz
danach (1922) die 28-jährige Gaia (zukünftige Muse von Salvatore Dali) an. Beide Damen
waren weit entfernt von ihren Wechseljahren, eine furchtlose Bestäubung weiblicher
Saugnäpfe ohne “Maschinchen” wäre also undenkbar gewesen.
Oder ahnte Max, dass sein “Maschinchen" von einem damals noch ungeborenen
Wissenschafter, dem grossen Kleesammler Carl Djerassi, Erfinder der Pille, schon zu
seinen Lebzeiten veraltert sein würde?
Das Gemälde hängt jedenfalls im Peggy Guggenheim Museum in Venedig. Mit der
damals 43 jährigen ”letzen Dogaressa” hatte Max natürlich auch ein Verhältnis. Dies
kostete ihm zwar die Freiheit, denn die anspruchsvolle Kunst- und Männersammlerin
machte ihn nach deren gemeinsamer Flucht in die USA kurzerhand zu ihrem zweiten
Ehemann (1941), die Ehe hielt aber zum Glück nicht lange, sodass sich Max danach noch
einige andere Liebschaften leisten konnte. In dieser Hinsicht waren sich die beiden
libertinär lebenden Freigeister durchaus ähnlich.
Befruchtete Ovozyten in fortgeschrittenem Stadium waren vorher schon von einem
anderen Schwerenöter künstlerisch thematisiert worden. Gustav Klimt verzierte den
Umhang seiner dürftig bekleideten Danae (1908) mit Blastozysten, deren Form er im
Salon der Berta Zuckerkandl von ihrem Mann, dem Anatomen Emil, abkupferte.
Manche Künstler können’s einfach nicht lassen. Auch durch die hehre Wissenschaft ist
ihnen Befruchtung stets willkommen.
KY -Venedig 2018
Carl Djerassi 1923-2015
Max & Peggy
Klimt Danae Detail (Blastozysten)