Max Ernst - Von minimax dadamax selbst
konstruiertes maschinchen
Wenn sich Kunst und Wissenschaft die Hand geben
Künstler, die reale Maschinen konstruieren, gab es schon in der Renaissance, aber erst im 20-ten
Jahrhundert schuf Max Ernst Gemälde die auf Diagrammen wissenschaftlicher Instrumente basierten.
Es war die Zeit des Experimentierens mit dem Dadaismus und der Lust am Unfug.
Das vorliegende "Maschinchen" ist insofern originell, als es eine "furchtlose Bestäubung weiblicher
Saugnäpfe zu Beginn der Wechseljahre u. dergl. furchtlose Verrichtungen" gestatten soll, wie der
kryptische Text am unteren Bildrand verrät. Die Anspielung auf sexuelle Aktivitäten des damals 29-
jährigen Max ist unübersehbar.
Im Bild entdeckt man tatsächlich zwei kugelige rötliche Bläschen, eines am Ausgang des Wasserhahns
mit dem fröhlichem Ausruf “bonjour, und ein anderes im Glaskörper. Zumindest letzteres könnte als
vergrössertes Ovozyt gedeutet werden. Was jedoch mit den weiblichen Saugnäpfengemeint ist, und
wie deren Bestäubungvor sich gehen soll, hat uns Dadamax nicht verraten.
Unterer Bildrand
Max Ernst hinterließ auch keinen Hinweis zum Anlass seiner Kreation. Er lebte damals in
erster Ehe mit der 25-jähriger Kunsthistorikerin Louise Strauss, und lachte sich kurz
danach (1922) die 28-jährige Gaia (zukünftige Muse von Salvatore Dali) an. Beide Damen
waren weit entfernt von ihren Wechseljahren, eine furchtlose Bestäubung weiblicher
Saugnäpfe ohne Maschinchenwäre also undenkbar gewesen.
Oder ahnte Max, dass sein “Maschinchen" von einem damals noch ungeborenen
Wissenschafter, dem grossen Kleesammler Carl Djerassi, Erfinder der Pille, schon zu
seinen Lebzeiten veraltert sein würde?
Das Gemälde hängt jedenfalls im Peggy Guggenheim Museum in Venedig. Mit der
damals 43 jährigen letzen Dogaressahatte Max natürlich auch ein Verhältnis. Dies
kostete ihm zwar die Freiheit, denn die anspruchsvolle Kunst- und Männersammlerin
machte ihn nach deren gemeinsamer Flucht in die USA kurzerhand zu ihrem zweiten
Ehemann (1941), die Ehe hielt aber zum Glück nicht lange, sodass sich Max danach noch
einige andere Liebschaften leisten konnte. In dieser Hinsicht waren sich die beiden
libertinär lebenden Freigeister durchaus ähnlich.
Befruchtete Ovozyten in fortgeschrittenem Stadium waren vorher schon von einem
anderen Schwerenöter künstlerisch thematisiert worden. Gustav Klimt verzierte den
Umhang seiner dürftig bekleideten Danae (1908) mit Blastozysten, deren Form er im
Salon der Berta Zuckerkandl von ihrem Mann, dem Anatomen Emil, abkupferte.
Manche Künstler können’s einfach nicht lassen. Auch durch die hehre Wissenschaft ist
ihnen Befruchtung stets willkommen.
KY -Venedig 2018
Carl Djerassi 1923-2015
Max & Peggy
Klimt Danae Detail (Blastozysten)