Der Deckelpokal mit Aufsatz aus Rhinozeroshorn (um 1650),
zugeschrieben an Georg Pfründt (KHM Wien). Das Hörnchen ist
unübersehbar. Dass Dürers Ruhm zu dieser Zeit örtlich begrenzt war,
zeigt eine Weltkarte von 1674 aus China. Man entdeckt darauf ein
Rhino in der Antarktis .... ohne erkenntliches Hörnchen, das
zusammen mit anderen exotischen Tieren vor sich hinfriert. Wie es
in diese unwirtliche Gegend gelangte, ist ein Rätsel.
In Europa brachte erst im 18. Jhdt ein Rhino-Weibchen namens Clara
die Wende. Es kam 1741 aus Afrika nach Rotterdam und tourte
einige Jahre durch den Kontinent, bis es 1758 in London verstarb. Es
wurde auf zahlreichen Gemälden verewigt, etwa von Jean-Baptiste
Oudry im Jahre 1749, und stand Ende der 1740er-Jahre für
Meißener Porzellan Modell. Ein anderes Exemplar ging auf einem
Gemälde von George Stubbs (1792) in die Geschichte ein. All diese
hörnchenlosen Kunstwerke lösten das bis dahin von Dürer geprägte
Rhino-Bild ab.
Dürers Nashorn mit dem Hörnchen verschwand aber nicht ganz von
der Bildfläche. Man findet es etwa auf zwei ins 19. Jahrhundert
datierten Paneelen aus Scagliola (Stuckmarmor), die 2012 bei
Sotheby's für 18.750 Pfund den Besitzer wechselten.
Auch im 20 Jhdt. gab es zahlreiche Bewunderer von Dürers Nashorn.
Der Art-Brut Maler Gaston Dufour etwa verbrachte 6 Jahre seines
Lebens nur um Rhinos zu malen. Hörnchen sind keine erkennbar.
Hingegen trägt Salvadore Dalís 3.6 to schweres Rhino in Marbella
(Andalusienreise 2010) stolz und unübersehbar das Dürerhörnchen. Dali 1956 (Marbella)
Georg Pfründt KHM Wien Weltkarte 1674
Oudry - Clara 1749 Stubbs - Rhinoceros 1792
Paneel –19 Jhdt.
Ronda 2010)
Gaston Dufour 1950-56