Vor der geflügelten Figur liegt ein schlafender Jagdhund zwischen einer
Kugel und einem großen Polyeder, und dahinter ein Schmelztiegel, eine
Referenz zur Alchimie? Am Gebäude angelehnt ist eine Leiter, und an
einer Wand befestigt eine Waage, eine Sanduhr, eine Glocke und ein
"magisches" Zahlenquadrat. "Magisch" deswegen weil die Quersumme
aller Reihen, Spalten, Diagonalen, Quadranten und Ecken jeweils 34
ergeben. Auch die vier Eckfelder und die vier Felder in der Mitte ergeben
diese Summe. Das Quadrat zeigt noch andere Symmetrieeigenschaften,
die jedoch von Rezensenten nicht berücksichtigt wurden. In der unteren
Zahlenreihe erscheint außerdem die Jahreszahl des Stichs, 1514.
Interessant ist auch dass Dürer in der zweiten Zahlenreihe eine 6 zu einer
5 korrigiert hat. Hatte er sich etwa geirrt?
Und dann der dickliche Putto auf dem Mühlstein neben der Hauptfigur.
Er hat sich eine Decke auf den Stein gelegt, um es bequemer zu haben
und schreibt oder zeichnet (die Interpreten sind sich hier nicht einig) auf
einer Tafel. Verwunderlich ist, dass einer seiner Flügel von der Leiter
abgedeckt ist, obwohl er an der Seite des Gemäuers sitzt, während die
Leiter von hinten angelehnt ist. Hat der Meister bei der Ausführung –also
in der extremen Nahsicht beim Stechen –die räumlichen Verhältnisse
aus den Augen verloren oder gibt er uns verschmitzt eine optische
Täuschung zum besten, so wie hunderte Jahre später M.C. Escher? Bei
einer Blattgrösse von 24 × 19 cm ist der Dürers Stich jedenfalls eine
Ziselierleistung höchster Auflösung mit unzähligen Grautönen.
Mathematik