Albrecht Dürer-Bildnis des Maximilian I.
auch Künstler erleichtern sich die Arbeit
Maximilian I., Kaiser des Heiligen Römischen Reichs (HRR ab
1508), nutzte zeit seines lebens geschickt die Kunst als
wirkungsvolles Propagandamittel für sich und das Habsburger
Herrscherhaus. Vor seinem Lebensende liess er sich nochmals
portraitieren um so der Nachwelt erhalten zu bleiben. Vom
damalig besten Maler natürlich. Der 48-jährige Albrecht Dürer
war am Höhepunkt seiner Schaffenskraft und bekam vom
Kaiser seit Jahren eine jährliche Rente von 100 Gulden
(Florentiner Gulden und Venezianischer Dukat hatten beide ca
3,5 g Gold).
Den Aufttrag erhielt Dürer 1518 während des Reichstags zu
Augsburg. Es war jener Reichstag zu dem ein gewisser Martin
Luther zu einem Verhör über seine 95 Thesen (1517) nach
Augsburg zitiert wurde, es aber ablehnte diese zu widerrufen,
und sich einer Verhaftung durch nächtliche Flucht entzog.
Portraits
Dürer wurde gebeten (vermutlich von Jakob Fugger) neben dem
gewünschten Gemälde auch einen Holzschnitt anzufertigen,
denn als Medien bewusster Herrscher wünsche sich Maximilian
eine möglichst große Verbreitung seines Portraits. Dürer fertigte
von ihm daher zunächst eine Kohlezeichnung an. Dazu
benötigte er angeblich weniger als 1 Stunde. Es zeigt den
alternden etwas kränklichen und lebensmüden Herrscher, der
zwar kein ästhetisch ansprechendes, aber ein unvergesslich
markantes Profil hatte: dank der Hakennase, einem wahren
Zinken, und dem vorstehenden Kinn samt redensartlich
gewordener „Habsburgerlippedas über Generationen
hinweg sichtbare Merkmal der Angehörigen des Erzhauses.
Seine Nase kann - neben jener Kleopatras - als eine der
berühmtesten Herrschernasen überhaupt bezeichnet werden.
Die Zeichnung (heute Graphische Sammlung der Wiener
Albertina) diente Dürer als Vorlage für einen ersten Holzschnitt
(ohne Jahresangabe, weitere Holzschnitte sollten folgen), und
zwei Gemälde, eines datiert (1519) und ausgeführt in Öl auf
Lindenholz (KHM Wien), und ein etwas größeres, undatiertes
Leinwandgemälde in Wasserfarben (genannt das "Tüchlein"
Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum). Alle drei Werke
entstanden erst nach dem Tod Maximilians (Januar 1519).
Holzschnitt
Zeichnung
Nase
Interessant dabei sind die Unterschiede der beiden Gemälde.
Während das "Tüchlein" mit der gleich doppelt dargestellten
Kette des Ordens vom Goldenen Vlies und einer die Vorzüge des
Kaisers preisenden Inschrift mit Daten zu seinem Leben eindeutig
der Propaganda dienen, ist das Gemälde auf Holz wesentlich
sparsamer mit derartigen Ehrbezeugungen.
Ebenfalls interessant ist, dass Dürer für alle drei Werke die
Gesichtszüge Maximilians von seiner Zeichnung abpauste,
weshalb die Köpfe alle größengleich sind. Unklar ist nur, ob dieses
Pausverfahren lediglich arbeitsökonomischen Zwecken diente,
oder ob Dürer auf diese Weise die Züge des bewunderten
Herrschers möglichst reproduzierbar ausführen wollte.
Ähnliche "Hilfsmittel" wurden später auch von anderen
bekannten Künstlern angewandt. So benützte etwa Claude Monet
eine Schablone des Westminsterpalasts für die zahlreichen Bilder
seiner Serie Les parlements de Londres, in denen er die
verschiedenen Lichtverhältnisse studierte, und die er meistens
erst bei seiner Rückkehr ins Atelier von Givenchy fertigstellte.
Auch Künstler wollen sich die Arbeit erleichtern.
Monet Le Parlement
Tüchlein”