Andre Derain Le Port de Collioure
Derain verbrachte den Sommer 1905 zusammen mit Matisse am
Mittelmeer, in dem Fischerdorf. Collioure nahe der spanischen Grenze. In
der südlichen Atmosphäre wurden aus den beiden Neo- Impressionisten
fauves” (wilde Tiere), wie der Kritiker Vauxcelles die Maler um Matisse
und Derain auf dem Pariser Herbstsalon 1905 nannte. Auf dieser
historischen Ausstellung zeigte Derain auch zwei seiner Bilder aus
Collioure. Inspiriert von den Werken Van Goghs und Gauguins, die sie
leidenschaftlich studierten, wollten sie die ”Tyrannei des Divisionismus ins
Wanken” bringen, wie Matisse rückblickend schrieb. So entwickelten sie in
Collioure erstmals eine Malerei der intensiven, reinen Farbigkeit. Nach
Bekanntschaft mit Picassos starker Persönlichkeit kehrte Derain dem
Fauvismus jedoch sehr bald den Rücken und wurde Kubist. Noch vor dem
Ersten Weltkrieg zog er sich ganz aus der Avantgarde zurück und schuf
fortan Werke in traditioneller Manier. Trotz der großen Hitze im Juli und
August entstanden direkt vor dem Motiv ungefähr 30 Landschaftbilder. Das
für diese Serie seltene Hochformat in Le Port de Collioure wird bestimmt
durch die aufragenden Masten. Derain läßt sich hier beim Experimentieren
beobachten. Zwar setzt er das Bild noch pointillistisch aus Farbentupfen
zusammen. Aber er legt keinen Wert mehr auf das Spiel von Licht und
Schatten, wie es die Impressionisten liebten, Alles wird in intensiv
leuchtenden Farben von Blau, Rot bzw. Grün oder Orange ohne
vermittelnde Valeurs gemalt. Er zeigt den Blick vom Quai auf das Meer: Im
Vordergrund beschäftigte Fischer, an Land gezogene oder noch im Wasser
befindliche Schiffe, eines sogar die Segel setzend, links Gemäuer eines
Leuchtturms, das gegenüberliegende Festland schließlich am Horizont. Das
Bild gibt den Eindruck des Hafens im mediterranen Mittagslicht, wo nur
wenige Fischer bei der Arbeit sind, des brütend heißen Landes und des
kühleren Windes im Kräuseln der See.