Köstlich wie der König mit seinem Birnenkopf, seiner Wampe und seinen
Koteletten Säcke voll mit Goldstücken verschlingt die seine Schergen als
Steuern eintreiben, und dabei mit den herausfallenden Stücken seine
Handlanger bezahlt und vom durchlöcherten Stuhl (Thron) die Abgeordneten
unter ihm mit Titeln buchstäblich bescheisst. Klar ist auch, dass die Karikatur
nicht nach dem Geschmack des Königs war, und durch die Technik der
Lithographie riskierte weit verbreitet zu werden. Dazu kam es aber nicht,
denn die Polizei beschlagnahmte das Werk. Daumier und sein Herausgeber
wurden unter dem Vorwurf angeklagt, sie würden Hass schüren, den König
und seine Regierung verachten, und die königliche Person selbst beleidigen.
Die Verhandlung musste Unterhaltungswert gehabt haben, denn es wurde
etwa diskutiert ob Daumier mit "Gargantua" den König persönlich gemeint
hatte oder nur sein aufgeblasenes Budget. Schliesslich wurde er zu einer
Gefängnisstrafe von sechs Monaten im Prison Sainte-Pélagie verurteilt, und
der Herausgeber musste den Lithographiestein und alle Probeabzüge
vernichten. Anscheinend hat aber doch ein Abzug überlebt, denn dieser kann
heute in der Bibliothèque Nationale de France in Paris besichtigt werden.
Die Julimonarchie bestand bekanntlich nur bis 1848.
Autoren von Karikaturen politisch-gesellschaftlicher Natur müssen heute in
Paris nicht mehr ins Gefängnis. Es kann aber vorkommen dass Karikaturen
religiöser Natur mit Terroranschlägen Mord und Totschlag enden (Charlie
Hebdo). Das nennt man Fortschritt.