Salvador Dali-info
1904-1980
Im Grunde könnte Dali als Lehrbeispiel dafür gelten, wie wenig wissenschaftliche Bezüge,
auf welche Künstler mitunter verweisen, um ihre Werke den hermeneutischen*
Bedürfnissen der Kunstwelt und deren treuen Anhängern anzuempfehlen,
zutreffen, und dass diese bestenfalls in schlampigem Verhältnis zu jenen stehen. Die
Verschiedenheit von Dali und Freud könnte man auf den zentralen Gegensatz von Kunst und
Wissenschaft zurückführen und diesen wieder auf jenen von Es und Ich (Freud), denn das
unbestimmte Es –als eigentlich Seiendes –ist, im Unterschied zum Ich (soziale Person), an
Erklärungen und Erkenntnissen uninteressiert. So steht eine Kunst, die ihren Gegenstand zu
erforschen wünscht, auf dem falschen Gleis, denn der ihr gegebene Zugang zu den Dingen ist
ästhetisch, d.h. am Ort einer sprachlosen Vorstellung eingerichtet, die intrinsisch ist. Dali
überzeugt uns als Maler und nicht unbedingt als Theoretiker in eigener Sache.
https://www.derstandard.at/story/2000132901634/abgruendige-liebe-salvadordali-trifft-sigmund-
freud-im-belvedere#posting-1086668975
*Hermeneutik: Lehre von der Auslegung und Erklärung eines Textes oder eines Kunst- oder Musikwerks