Cranach Geschäftsmann
Lucas Cranach d. Ä. arbeitet zunächst in Wien, wird aber 1505 an den Hof des Kurfürsten Friedrich III.
des Weisen von Sachsen nach Wittenberg berufen. Als Hofmaler des humanistisch gebildeten und den
Künsten und Wissenschaften zugeneigten Regenten, bekleidet er ein lukratives Amt, das ihm in kurzer
Zeit großes Ansehen und Wohlstand einbringt. Er zieht mit seiner Werkstatt vom Wittenberger Schloss
in zwei Häuser am Markt und kauft schließlich die später sogenannten Cranach-Höfe in der
Schlossstraße 1. Hier unterhält er eine der erfolgreichsten Werkstätten seiner Zeit mit zeitweilig bis zu
elf Mitarbeitern.
Cranach ist ein gewiefter Geschäftsmann. So erwirbt er weitere Immobilien und betreibt schließlich
neben seiner Malerwerkstatt zusätzlich einen Weinhandel, eine Apotheke, einen Buch- und
Papierhandel sowie eine Druckerei. Auch die politischen Geschicke Wittenbergs lenkte er mit: Gleich
neunmal wurde der Meister für je zwei Jahre Ratsherr und zweimal sogar Bürgermeister. Bereits 1528
gilt Lucas Cranach d. Ä. als reichster Bürger der Stadt und seine Stellung darf in Sachsen als absolut
konkurrenzlos angesehen werden.
Cranach gilt als einer der ersten großen Kunstunternehmer, der eine eigene "Marke" kreiert: Er baut sich
ein Team von hochqualifizierten Mitarbeitern auf, das in einem einheitlichen Malstil arbeitet, der ganz
dem seinen entspricht. Sie alle sind also in der Lage, die verschiedenen Motive in gleicher Weise
auszuführen und es ist dabei zweitrangig, ob sie von Cranach selbst stammen oder aus der Werkstatt
kommen. Signiert werden die Werke mit der berühmten geflügelten Schlange, die dem Wappen
entspricht, das Friedrich der Weise Cranach 1508 verliehen hat. So können Auftraggeber für Altäre, neue
reformatorische Bilder und Porträts schnell bedient werden. Oft werden die Motive seriell und im
großen Stil produziert.