Lovis Corinth - Ecce homo
1937 in München als „entartete Kunst“ diffamiert
Kunstmuseum Basel
Es war sein letztes Gemälde, gewissermassen
sein Vermächtnis, das Lovis Corinth mit
zittriger Hand nach seinem Schlaganfall (1922)
malte. Es zeigt den gegeisselten und mit
Dornen bekrönten Jesus von Nazaret zwischen
zwei Vertretern der Menschheit, den als
Gelehrten (oder Arzt?) gekleideten Pilatus,
Statthalter von Rom in Judäa, und einen als
hünenhaftem Landsknecht dargestellten
Soldaten. Mit den Worten "Ecco homo"
(„Sehet, welch ein Mensch“) führt Pilatus den
König der Juden vors Volk und die
Hohepriester die seinen Tod wünschen
(Johannesevangelium).
Ecce Homo in der “Entartete KunstAustellung
(19. Juli-Nov 1937) Hofgartenarkaden
Ein erschütterndes Bild menschlicher
Ungerechtigkeit. Dreimal bezeugt Pilatus die
Unschuld des unrechtmässig Angeklagten und
lässt ihn dennoch foltern und hinrichten. Die
Gesichtszüge des Pilatus sind jene des Malers.
Was wollte der Freimaurer Lovis Corinth mit
dieser Selbstdarstellung ausdrücken? Etwa dass
jeder Mensch mit seiner persönlichen Schuld
dazu beiträgt einen Schuldlosen ans Kreuz zu
bringen?
Das Gemälde wurde vom NS-Regime in der
Hofgartenarkaden von München von 19. Juli-
November 1937 als „entartete Kunst“ diffamiert,
wie auf dem Foto gut erkennbar. Man fragt sich
warum.
Ecce Homo ist ein beliebtes Kunstmotiv,
angefangen von Schongauer über Bosch,
Tintoretto, Tizian, Rubens, u.a. bis hin zu Otto
Dix.
Ecce Homo