Benvenuto Cellini Saliera (Das Salzfass)
Es ist wohl der berühmteste Salzstreuer der Kunstgeschichte, aus
einem einzigen Stück Goldblech mit Hammer und Punzen
vollplastisch getrieben, wie es Cellini in seiner Autobiographie und
seinem Traktat über die Goldschmiedekunst dokumentierte. Die
Saliera ist seine einzige erhaltene Goldschmiedearbeit. Der Guss
seiner Bronzeskulptur "Perseus mit dem Haupt der Medusa" erfolgte
ebenfalls in einem einzigen Durchgang, verlief aber unter weit
abenteuerlicheren Bedingungen.
Dass Cellini die Saliera für Franz I. von Frankreich anfertigte, ist
bekannt. Bekannt ist ebenfalls dass sie eine allegorische Vereinigung
von Wasser und Erde dargestellt, einerseits durch Neptun, dem Gott
des Meeres, welches das Salz hervorbringt, mit einer Hand ein Schiff
als Salzbehälter haltend und von vier pferdeartigen Wesen mit
Rossleib und Fischschwänzen getragen, und andererseits durch die
gegenüber sitzende Tellus, der römischen Göttin der Erde, welche
den Pfeffer hervorbringt.
Perseus
Beide Götterfiguren wurden 2007 (FH Wels) computertomographisch
analysiert, denn es bestand die Vermutung, dass Cellini zumindest die
Zehen und die Köpfe gegossen und nicht getrieben hat. Die
Messungen ergaben jedoch, dass jeweils die gesamte Figur bis hin zu
den zartesten Teilen wie Fingern und Zehen mit Punzen und
Hämmern geformt wurden, und dass Cellinis eigene Beschreibung der
Herstellung der Saliera korrekt ist. Auch die unerhörte
Gleichmäßigkeit der Wandstärke von unter 1 mm kann nur Erstaunen
und den größten Respekt vor den handwerklichen Fähigkeiten dieses
Genies erwecken. Die Büste des Künstlers, der privat überaus
gewalttätig werden konnte, ziert heute die Ponte Vecchio in Florenz.
Weniger bekannt ist wie der Salzstreuer von Fontaineblau nach Wien
gelangte. Alles begann mit einer Hochzeit, und zwar jener des franz.
Königs Karl IX., Enkel von Franz I., mit der sehr katholischen Elisabeth
von Österreich. In der Zeit der Hugenottenverfolgungen
(Bartholomäusnacht) war eine Königin aus erz-katholischem Haus
sehr willkommen. Dies war zumindest der Wunsch von Katharina
Medici, Mutter von Karl IX. Wie damals üblich, erfolgten Hochzeiten
auch ohne Anwesenheit des Hauptbeteiligten. Die des Königs fand in
Speyer ohne das Muttersöhnchen statt. Als Vertreter des Bräutigams
fungierte Erzherzog Ferdinand II. von Tirol. Im Gegenzug bedankte
sich Karl IX. mit dem goldenen Salzfass. Nette Geste. Er starb nur
einige Jahre später im zarten Alter von 23 Jahren.
Gold
Ponte Vecchio
Ferdinand II. war ein äußerst kunstliebender Mensch mit einer schon
damals bedeutenden Sammlung. So kam die Saliera in habsburgischen
Besitz und wurde Teil der Kunstsammlung im Schloss Ambras, des
ältesten Museums der Welt. Im Zuge deren Auflösung im
19. Jahrhundert wurde sie ins KHM Wien überführt. Seither bemühten
sich die Landeshauptmänner von Tirol vergebens die Saliera wieder
nach Tirol zu holen.
Unerwünschte Publizität erfuhr die Saliera 2003, als sie von einem
Installateur von Alarmanlagen aus dem KHM gestohlen und im
österreichischen Waldviertel vergraben wurde. Der Super-GAU gelang
ohne größere Anstrengung. Dem Bravour-Stück von Cellinis
Goldschmiedekunst stand also die Bravour-Performance des Diebes
gegenüber. Erst 3 Jahre später (2006) wurde die Saliera sichergestellt
und der Dieb gefasst. Von den verhängten fünf Jahren büßte er nur
nur einen Bruchteil ab. Auch der Direktor des KHM musste erst zwei
Jahre später den Hut nehmen. Österreichische Gemütlichkeit.
Detail: anlässlich des Staatsbesuches 1969 der britischen Königin
Elisabeth II. fertigte das Wiener Unternehmen Jarosinsky & Vaugoin
drei Repliken aus Silber an. Eine wurde der Königin als Geschenk der
Stadt Wien überreicht, die zweite wurde im Wiener Rathaus
ausgestellt und die dritte blieb im Besitz der Familie Vaugoin.