Pieter Brueghel d. Ae. Sturz der rebellierenden Engel
Krieg im Himmel: der Teufel liegt im Detail
Bei diesem biblischen Motiv scheint sich Pieter Brueghel köstlich
amüsiert zu haben. Thema ist die Konfrontation zwischen Gut und Böse:
Erzengel Michael verjagt Luzifer, der gegen Gott aufbegehrt. Dass dies
ernste Konsequenzen hat, zeigt Brueghel voller Details. Während die
Guten als Engel Gottes in hellen Gewändern und schimmernden
Rüstungen vor einer strahlenden Sonnenscheibe erscheinen und in die
Posaunen blasen, hauen und stechen die weniger Guten mit Schwertern
und Lanzen auf allerlei teuflische Wesen mit grotesk verzerrten
Gesichtern ein. Diese werden etwa als Salamander, Lurche, Fische oder
Insekten dargestellt, die sich in ihrer Verzweiflung Gliedmaßen
abbeißen, den mit Eiern gefüllten Bauch aufreißen oder ganz einfach
einen fahren lassen. Ganz in der Manier von Hieronymus Bosch.
Brueghels Strurz der Engel steckt zusätzlich voller Bezüge auf das damals
gerade neu entdeckte Amerika (1492). Man sieht zum Beispiel
den Panzer eines Gürteltiers, verfremdet als Metallrüstung eines
Dämons, oder einen nackten Mann mit Federschmuck, sowie andere
exotische Lebewesen, die vermutlich auf Expeditionen erbeutet und in
Kuriositätenkabinetts ausgestellt wurden.
Dass das Gemälde vom alten Pieter Brueghel stammt, war lange
unbekannt. Die Königlichen Museen hatten es 1846 in der Annahme
erworben, dass es sich um ein Werk seines Sohnes, Pieter Bruegel II,
handelt. In der Folge wurde das Werk auch Hieronymus Bosch
zugeordnet, bis 1898 das bis dato verborgene Datum und die Signatur
MDLXII / Brvegel" links unten in einer Ecke gefunden wurde. Warum so
spät ist unverständlich, denn die Signatur ist bei genügend hoher
Auflösung gut sichtbar. So wurde das Werk letztendlich erst 300 Jahre
nach seinem Entstehen seinem rechtmäßigen Schöpfer Brueghel dem
Älteren zugeordnet. Dass Brueghel mit Bosch verwechselt wurde ist
verzeihbar, denn während seiner Antwerpener Zeit hatte Brueghel in
seinen Drucken Boschs überbordende Bildsprache imitiert ein in der
Spätrenaissance üblicher Vorgang, um den eigenen Marktwert zu
steigern.
Der Höllensturz ist wohl das schönste und spannendste Brueghel-Werk in
Brüssel, und das KMSKB, in deren allernächster Nähe Brueghel seine
letzten Lebensjahre verbrachte, ist sicher Wert deswegen besucht zu
werden, hat es darüber hinaus auch die weltweit zweitgrößte Brueghel-
Sammlung nach jener des Kunsthistorischen Museums in Wien. Und
dennoch, wenn man an Gemäldedetails interessiert ist, vertraut man
besser aufs Internet, denn in Museen kann man nicht nahe genug an die
Gemälde heran, so wie früher. Dies ist mit vielen anderen Brueghels auch
der Fall. Der Teufel liegt buchstäblich im Detail.