Antwerpen, die Hauptwirkungsstätte von Pieter Bruegel d. Ä., war zur Mitte des 16. Jahrhunderts die reichste und
womöglich bedeutendste Stadt Europas. Die Stadt an der Schelde zählte 100.000 Einwohner (die Weltstadt Rom nur
halb so viele). Als wichtigster internationaler Warenumschlagplatz und Zentrum der niederländischen Buchproduktion
und Druckkunst lockte sie die bedeutendsten Künstler an. Allerdings war mit 300 Künstlern der Konkurrenzdruck hoch
(Zum Vergleich: Bäcker gab es nur 170). Bruegel wusste sich durchzusetzen, machte sich etwa durch Zeichnungen, die
der Verleger Hieronymus Cock in Auflage von bis zu 2000 Exemplare verbreitete, einen Namen. Bald folgten Aufträge
für die städtische Elite.
"Die Kunst ist gerne beim Reichtum", schrieb Karel van Mander 1604 über Antwerpen.
Karel van Manders berichtet über Bruegel auch, dass er in der Art Hieronymus Boschs gemalt habe und daher Piet de
Drol ("Der Drollige") genannt wurde.
Bruegels Werke hingen aber genau an den Orten, die den Umbrüchen am längsten und heftigsten widerstanden –den
Höfen der regierenden Fürsten, tritt Büttner dieser These entgegen. "Bruegel war auch kein Anhänger der
Reformation und noch viel weniger irgendwelcher Geheimlehren. Er war ein Katholik, der für Katholiken Bilder
gemacht hat." Und diese fielen durchaus kirchenkritisch aus. Die Kritik an der Institution Kirche sei so alt wie die
Kirche selbst. "Die Behauptungen, dass Bruegel protestantische Kritik in seinen Bildern verberge, um protestantische
Glaubens-U-Boote an den Habsburger Hof zu bringen, ist problematisch.“
Schön dass mit der Legende aufgeräumt wird, Bruegels Leben könne mit den Inhalten seiner Bildern ...
... seiner Bildern in Deckung gebracht werden. Bruegel war Katholik der für Katholiken malte und es sich dank seines
Erfolgs leisten konnte, seine theolog. Vorstellungen kritisch umzusetzen.
Dasselbe galt ja auch für Bosch. Auch er war Katholik der erfolgreich für Katholiken malte, obwohl er als Ketzer galt. So
erfolgreich dass er der Lieblingsmaler des spanischen Königs Philipps II. wurde, des "glaubensstrengsten Grosskönigs
der Christenheit". Die Wahrheit ist ganz einfach die, dass künstlerischer Erfolg die Mittel heiligt, und dass auch die
damaligen Herrscher keine Frömmler waren.
https://derstandard.at/2000088294176/Die-groesste-Bruegel-Schau-aller-Zeiten-im-KHM