Georges Braque - Le buffet
1920 Öl auf Leinwand 81 x 100 cm Nicht bez.
Braque und Picasso hatten um 1908 den intellektuellen Versuch unternommen, Bilder zu malen, die eine vom
subjektiven Erleben des Künstlers unabhängige Gegenständlichkeit anstreben. Weder optischer Eindruck noch
seelischer Ausdruck war ihr künstlerisches Ziel, weder Impressionismus noch Expressionismus, sondern die
Objektivität der Dinge wiederzugeben. Meist waren es Porträts, Landschaften oder Stilleben, die sie zum
Gegenstand ihrer Kunst machten. Einem etwas einseitig gedeuteten Ausspruch Cézannes folgend, den sie beide
außerordentlich verehrten, die Natur bestehe aus Zylindern und Kuben, reduzierten sie die Natur auf geo- oder
stereometrische Grundformen. Indem sie die perspektivische Räumlichkeit und Ordnung der Dinge im Bild
aufhoben, beendeten sie eine Tradition, die mit der Renaissance begonnen hatte. Der synthetische Kubismus
wurde um 1912 entwickelt und war, da der Bildgegenstand weniger zersplittert wirkte, leichter erkennbar und
wieder buntfarbig. Die Grisaillemalerei des analytischen Kubismus war verdrängt. Als Braque im Jahr 1917 nach
schwerer Kriegsverletzung die Malerei wieder aufnahm, hatten sich einerseits die gemeinsamen künstlerischen
Wege mit Picasso getrennt. Andererseits war schon vor dem Krieg zu einer Annäherung an Juan Gris gekommen,
der zum Protagonisten des synthetischen Kubismus wurde, Wie dieser blieb auch Braque zeitlebens den Motiven
der Stillebenmalerei treu. Besonders in den zwanziger Jahren malt Braque eine Reihe von ähnlichen Stilleben auf
Ziertischen mit Früchten und diversen Musikinstrumenten. Auch in Le buffet sieht man vor schwarzem Grund
eine okerfarbige Kommode, auf der sich eine Gitarre und weiße Notenblätter sowie eine mit grünen
Weintrauben gefüllte graue Schale befindet. Diese Gegenstände sind als unterscheidbare Pläne von
geschmackvoll dekorativer Farbigkeit ahstrahiert, die sich zudem einfacher oder komplizierter geschichtet in
reizvoller Weise überlagern und durchdringen. Wie Dinge sind diese Schichten schattig von einander abgesetzt
und suggerieren eine eigentümliche Bildwirklichkeit.