Georges Braque - La baie d’Anvers
Öl auf Leinwand 50x61cm Signiert undatiert
Georges Braque war von den Fauves in der Pariser Herbstausstellung von 1905 derart begeistert, daß er sich dieser Stilrichtung
anschloß. Besonders inspirierten ihn die Bilder, welche Matisse und Derain in Collioure am Mittelmeer gemalt hatten. Wie Derain,
der den Sommer 1906 in England an der Themse verbrachte, so begaben sich auch Braque und sein Freund Othon Friesz, auch aus
Le Havre stammend, ebenfalls unter nördlichen Himmel und Licht - nach Antwerpen, der Hafenstadt an der Schelde. Braque, der
Fauvist, sollte nur eine kurze Episode bleiben. 1907 konnte er auf der großen Retrospektive das Lebenswerk Cezannes intensiv
studieren. Gleichzeitig lernte er den Spanier Pablo Picasso und sein Epoche machendes Bild Les Desmoiselles d’Avignon kennen. Aus
ihrer künstlerischen Freundschaft entwickelte sich der sogenannte Kubismus und ließ Braques expressionistische Anfänge schnell in
Vergessenheit geraten. Von August bis September 1906 arbeiteten Braque und Friesz entweder direkt am Quai des Antwerpener
Hafen oder in der unmittelbaren Umgebung. Man blickt in La baie d’Anvers vom ’Linkeroeverauf die Stadtsilouette Antwerpens,
deren Wahrzeichen, die in Grün gemalte Kirchturmspitze von Notre-Dame, rechts am Horizont zu sehen ist. Auf der Schelde, die als
gelber Bereich zwischen Himmel und Erde zu sehen ist, schwimmen Segelboote, die an ihren Masten zu erkennen sind. Auf die
ungrundierte Leinwand, die an vielen Stellen stehen gelassen wurde, malte Braque fauvistisch mit reinen Farben. Er verwendet
hauptsächlich die beiden Farbtriaden Blau Gelb - Rot und Violett Grün Orange sowie reichlich Weiß. Die vorderen Landmassen
sind in den komplementären Farben Rot und Grün, der sich im ruhigen Wasser der Bucht spiegelnde Himmel aus Gelb und Violett.
Stark in Schwarzblau konturiert ist der Vordergrund mit dem ins Bild führenden Steg, Am Himmel oben erscheint dann das mit We
gebrochene Blau. Der Pinselduktus sowie die Farbstriche, die Kommata oder Wellenlinien, besonders aber der Wirbel am Himmel
erinnern an Landschaftsbilder von Van Gogh, der Braques anfänglicher Leitstern war.
The color scheme reflects Braque's interest in the chromatic boldness of Fauve painting.
If this and related works can be said to have initiated Braque's Fauve period, it is not
only because of their imaginative color, but also because of the emphasis that Braque
gave to the patterning of forms on the surface of the canvas. A good deal of the canvas
ground is left showing, and there is no evidence of preliminary pencil drawing. Rather,
the work was executed following Paul Cézanne's practice of painting and drawing at the
same time. The wedgelike form of the water has the interesting effect of seeming to
follow a one-point perspective into deep space while at the same time asserting itself
very strongly as a finely designed flat shape. This tension between surface and depth is
maintained by the dotted accents of color in the water: they articulate the depth of the
area near the mound of earth, but at the same time they strongly restate the surface of
the picture. In its finely balanced color harmonies and inventive brushwork, and in the
attention that Braque gave to its underlying structure, Landscape near Antwerp
anticipates the more fully realized paintings that he would produce at L'Estaque the
following fall.
Jack Flam
Georges Braque Landscape near Antwerp (Paysage près d'Anvers)