Botticelli Hl Augustin-info
Chiesa di San Salvatore in Ognissanti, Florence
Zeigt goldglänzende Armillarsphäre, ein astronomisches Gerät zur Darstellung des
geozentrischen Weltbildes. Durch deren Metallbänder fallen von links oben fünf
feine Goldstrahlen ein (sie sind heute nur noch mit Mühe zu erkennen). Es muss
sich um ein übernatürliches Phänomen handeln, dessen Ursprung jedoch
verborgen bleibt. Besonders anschaulich wird die Lichtführung dieser Strahlen an
der Mitra, deren oberer Teil hell aufglänzt. Anders als Hieronymus interessiert sich
Augustinus nicht für den Betrachter, seine Aufmerksamkeit gilt nicht uns, sondern
ganz und gar der übernatürlichen Erscheinung.
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Die auffälligen Requisiten lassen sich einerseits auf Textstellen der Augustinischen
Bekenntnisse beziehen; dort finden sich an verschiedenen Stellen Erörterungen
über die Natur der Zeit; Armillarsphäre und Geometriebuch verweisen auf seine
frühere Beschäftigung mit der Astrologie und Mathematik als Weissagekunst. „Die
Meßgeräte stehen für Augustinuszum Scheitern verurteilten Versuch, das Wesen
der göttlichen Schöpfung mit den Mitteln des menschlichen Verstandes zu
erfassen“ (Locher 1999, S. 70).
... Botticelli greift mit seinem Fresko also nicht nur einen biografischen Moment aus
dem Leben des Augustinus heraus, sondern charaktierisiert ihn zugleich als
christlichen Mystiker. Denn seine Gotteserkenntnis wird nicht durch
wissenschaftliche Forschung oder das Studium der biblischen Schriften ausgelöst,
sondern durch ein plötzliches Erhelltwerden, eruptiv und unmittelbar
http://syndrome-de-stendhal.blogspot.com/2014/09/von-der-gnade-erleuchtet-
domenico.html
https://en.wikipedia.org/wiki/Saint_Augustine_in_His_Study_(Botticelli,_Ognissanti)