Gian Lorenzo Bernini Bust of Pope Paul V
Nationales Kulturgut geht auf Reisen
Gian Lorenzo Bernini gilt als Hauskünstler der Päpste. Er schuf in deren
Auftrag nicht nur erotische Skulpturen, wie etwa den Raub der Prosperina,
die Ekstase der Heiligen Teresa, die Verzückung der Seeligen Ludovica
Albertoni, Carità etc, alle mit viel nacktem Fleisch. Vom Kirchenfürsten
Paul V aus dem Haus Borghese schuf er gleich mehrere Büsten. Die
Auftragswerke waren meist Werbegeschenke im politischen Mächtespiel
des Vatikans. Die vorliegende Büste aus dem Jahr 1621 galt Jahrzehnte
hindurch als verschollen, bis sie 2014 in einem Auktionshaus in Bratislava
auftauchte. Ein Kunsthändler hatte sie zum Schnäppchenpreis von 24 000
€ ersteigert und kurz danach für atemberaubende 33 Millionen $ an das
Getty Museum abgetreten.
Wie es zu dieser kolossalen Wertsteigerung kam ist rasch erzählt:
Bekanntlich häufte die römische Fürstenfamilie Borghese über die
Jahrhunderte ein kolossales Vermögen an. Erst als es Paolo Borghese
(1845-1920) bei Immobilienspekulationen buchstäblich verprasste,
wurden aus Geldnot 1893 einige Kunstwerke versteigert, darunter auch
das marmorne Konterfei des Papst Paul V. Da es damals fälschlicherweise
dem weniger bekannten Bernini-Zeitgenossen Alessandro Algardi
zugeschrieben wurde, verlief seine Auktion enttäuschend.
Extase Hl Teresa
Laut einem italienischen Kunsthistoriker, der die Papst Skulptur Jahre
später im Original begutachtete und in einem 1916 publizierten Beitrag
auf eine Autorenschaft Berninis revidierte, gelangte die Büste in eine
ausländische Sammlung (was sie ohne Ausfuhrgenehmigung nicht hätte
dürfen). Sie ging nach Wien, konkretisierte ein anderer Historiker 1953.
Von dort gelangte sie in die Slowakei, wiederum über unbekannte Kanäle.
Man weiss nur dass die Erben des Kunstmalers Ernest Zmeták 2013
vergeblich versuchten die Büste zu versteigern. Ihr damaliger Schätzwert
war 47.000 €.
Trotz der mehr als lückenhaften Provenienz seit dem Jahr 1893 kam es zu
einem zweiten Versteigerungsversuch, diesmal mit reduziertem Preiszettel
und Erfolg. Ein französischer Kunsthändler erwarb die Büste für 24 000 €,
wissend dass es sich wahrscheinlich um einen Bernini handelt. Über einen
von Sotheby's vermittelten Private Sale gelangte sie kurz danach für 33
Millionen $ an das Getty Museum LA. Ein wahrhaft stattlicher Gewinn.
Die Sache hatte nur einen Haken. Die Büste hätte die Slowakei nie
verlassen dürfen. Sie war zu nationalem Kulturgut erklärt worden und
unterlag einem Exportverbot. Das Land forderte also die Büste mit dem
Hinweis zurück, sie wäre unrechtmäßig ausgeführt worden. Der Verdacht:
Die Ausfuhrgenehmigung wäre durch Bestechung erschlichen worden.
Das war sie wahrscheinlich auch.
Die Aussichten für eine Rückführung sind allerdings sind schlecht, denn
von kleinen Auktionshäusern kann nicht - so wie von grossen - erwartet
werden dass sie über die nötigen Spezialkenntnisse verfügen oder
externe Experten konsultieren, um Authentizitäten zu prüfen. Somit
können sie nur schwer zur Verantwortung gezogen werden. Jedenfalls
weigerte sich das Getty-Museum bislang das Werk zurückzugeben.
Eine andere Frage ist ob ein im 17. Jahrhundert in Rom geschaffenes
Papstporträt überhaupt zum Kulturerbe der Slowakei gehören kann. Bei
Berninis Elefantino mit dem ägyptischen Obelisken auf der Piazza
Minerva in Rom stellt sich die Frage schon anders.
Elefantino