Das 'Ohr des Dionysios' und die Grotte der Seildreher in den 'Latomien des Paradieses
In der Nähe des Griechischen Theaters erstrecken sich die berüchtigten Latomia del Paradiso.Ursprünglich wurden in
ihnen wie in anderen Syrakuser Latomien (gr. ,Lithotomiai’) Kalksteine für die Gebäude und Stadtmauern gebrochen. In
späterer Zeit nutzten die Syrakuser diese Steinbrüche als Gefängnisse. Ihren schlimmen Ruf erlangten sie, als nach der
Niederlage des athenischen Expeditionsheeres (413 v. Chr.) 7000 Kriegsgefangene hier unter unsäglichen Bedingungen
Monate lang eingekerkert blieben, bis sie meist als Sklaven verkauft wurden. Der Kalktuff war in der Regel sukzessive
von oben nach unten abgebaut worden, so dass die eingepferchten Gefangenen drunten, die nicht einmal ihre Toten
fortschaffen durften, schutzlos der Sonne ausgesetzt waren. Ihren Ruf als ,Paradies’ erhielten die Latomien erst durch
ihre Garten- und Parkbepflanzungen insbesondere im 19. Jahrhundert.
Die bekannteste dieser Grotten ist das ,Ohr des Dionysios’, eine 1608 von ihrem Besucher Caravaggio so bezeichnete
Seitenaushöhlung, die einem Menschenohr gleiche und vielleicht von dem Tyrannen Dionysios I. benutzt oder sogar
angelegt worden sei, um von einem oberhalb der Höhle angelegten Versteck die Gespräche von Gefangenen zu
belauschen. Diese Legende hat über Jahrhunderte die Phantasie der Besucher beflügelt.
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