Das sind klare Worte. Sie fallen unter den Begriff Freiheit der Kunst, was die
meisten Kritiker und Sittenwächter vergessen. Dem Künstler Balthus waren
letztere zeitlebens gleichgültig. Erst im Alter monierte er, dass "von Literatur
und Psychoanalyse beeinflusste Kritiker in meine Bilder Erotik, ja Perversität"
hineingedeutet hätten". Und weiter: "Ich verstehe wirklich nicht, warum die
Leute in allen Bildern von Mädchen immer gleich Lolitas sehen", sagte er 1996
etwa der New York Times. "Früher wollte ich schockieren. Heute langweilt mich
das", meinte er, der zeitlebens mit dem Vorwurf der pornografischen Malerei
konfrontiert war, einmal.
Die relativ großformatige Gitarrenstunde wurde erstmals 1934 in "Galerie
Pierre" in Paris ausgestellt und als derart gewagt empfunden, dass es nur
ausgesuchte Kunden im Hinterzimmer der Galerie sehen durften. Allerdings war
dies von Balthus so gewollt, denn er konzipierte die Show als
Skandalausstellung um Aufmerksamkeit zu lukrieren. Das gelang ihm, denn sein
Bild wurde bald eines seiner berühmtesten Werke. 1938 erfolgte seine
Ausstellung in der New Yorker Galerie Pierre Matisse (dem jüngeren Sohn von
Henri und nicht sein angeblicher Bruder, wie man oft liest). Eine weitere
Ausstellung folgte 1977, nachdem das Gemälde für den Transport in die USA
(angeblich) mit einem unverdächtigen Motiv abgedeckt (oder übermalt?)
wurde, um einer eventuellen Beschlagnahmung wegen Pornographie
zuvorzukommen. Nach der Ausstellung gab es Matisse der MoMA (als Leihgabe
oder Geschenk?) wo es bis 1983 im Depot blieb.