"Während der gesamten Zeit, die er in Chassy gearbeitet hat und die wunderbar war, weil er viele neue Motive entdeckt hat, Landschaften,
die er zuvor kaum gemalt hatte, gab es lauter Bilder unvollendete Bilder. Das Syndikat von Gönnern, die ihm sein Leben ermöglichten, wollte
immer neue Bilder für ihr Geld, und oft nahmen sie die Bilder schon mit, die nicht fertig gemalt waren. Mit zunehmendem Alter verschärfte
sich das Problem für Balthus. Er sagte immer: Nicht die Kunden fehlten ihm, sondern Bilder. Er hatte solche Schwierigkeiten, etwas
abzuschließen, dass er dauernd unzufrieden war, und im Alter brauchte er mitunter Jahre, um ein Bild fertig zu malen. Insofern müssen wir
diesen Leuten und dem Druck, den sie ausübten, dankbar sein, andernfalls wäre nicht einmal eine Handvoll von Gemälde entstanden.
http://www.deutschlandradiokultur.de/magische-werke.1013.de.html?dram:article_id=167196
Interview Sohn: Auch als er nicht mehr lesen konnte, habe ich ihm neue Texte vorgelesen und er konnte noch sehr gut über sie reflektieren.
Sind Sie der Diskussionen über den erotischen Gehalt der Bilder Ihres Vaters müde, die bei jeder Ausstellung neu geführt werden?
Klossowski de Rola: Auch deshalb sind diese Briefe so wichtig sind. Er spricht in ihnen genau dieses Thema an. Später hat er dann wie mit
einem Radiergummi vieles gelöscht und seine Sichtweise geändert. Aber Mitte der 30er Jahre schrieb er zum Beispiel meiner Mutter: „Ich
habe das Bedürfnis, erotische Bilder zu malen. Denn die Menschen sind wie Puppen, du musst ihnen auf den unteren Magen schlagen, denn
das ist die einzige Möglichkeit, die Menschen zu einer Reaktion zu bewegen. Man muss sie provozieren und Sexualität und Erotik sind die
einzigen Mittel, das zu erreichen.
http://www.planet-interview.de/interviews/stanislas-klossowski-de-rola/34456/
Chassy: 1954 zieht Balthus nach Chassy, zwei Autostunden südlich von Paris. Dort hatte er ein altes Schloß entdeckt, das seinen
Vorstellungen vom standesgemäßen Leben entsprach. Die sieben Jahre in Chassy werden ebenso idyllisch wie produktiv: Mehr als 60 Bilder
entstehen, das Renommee steigt.
Dann bittet Andre Malraux, de Gaulles Kulturminister, den Maler, die Leitung der Villa Medici in Rom zu übernehmen, und macht ihn damit
zu einer Art Kulturbotschafter Frankreichs in Italien. Zum ersten und letzten Mal verläßt Balthus seine selbstgewählte Isolation, den Kokon
des Ateliers. In Rom führt er ein großes Haus - bald mit Hilfe der Japanerin Setsuko Ideka, die er 1962 in Tokio als 20jährige kennenlernt und
fünf Jahre später heiratet. Noch im gleichen Jahr porträtiert er sie, nackt.
Die Einladungen zu den rauschenden Festen bei Graf und Gräfin Klossowski de Rola sind begehrt, eine enge Freundschaft mit Federico Fellini
entsteht. Der bezeichnet Balthus'' Atelier als heiligen Ort und findet darin, mit Berufung auf Michelangelo, eine "erfundene Realität", die alle
Sinne ansprechen soll, vor allem auch den Tastsinn, nach Balthus "so wichtig wie das Augenlicht".
Balthus'' Sehkraft läßt nach. Schon hat er aufgehört, Skizzen anzufertigen, nach denen früher die monumentalen Gemälde entstanden. Er
malt jetzt direkt auf die Leinwand - mit Kasein-Tempera, die, in Schichten aufgetragen, rauhe, freskoartige Farbflächen ergibt.
Als - womöglich - letztes Bild will Balthus noch einmal die Straßenszene "Passage du Commerce Saint-Andre" (1952 bis 1954) malen. Darin
ist er auch selbst zu sehen, mit dem Rücken zum Betrachter. Eine Baguette in der Hand, scheint er sich aus dem Geschehen zu entfernen.
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9236937.html
http://derstandard.at/483271/Balthus-beruehmter-Einzelgaenger-der-Malerei-verstorben
Balthus - Analysen
Was die Diskussion um das Gemälde "Träumende Thérèse" anstachelt und warum das Abhängen streitbarer Kunst niemandem nutzt
Trotzdem nahm damals die Debatte rund um eine mögliche pädophile Neigung Balthus’ und die Frage, ob man sich zum Komplizen seines
Voyeurismus mache, erst nach und nach Fahrt auf. An ebenjenem Gemälde von Thérèse Blanchard mit dem hochgerutschten Rock schien Roberta
Smith, renommierte Kritikerin der New York Times, sogar etwas völlig anderes zu interessieren: "So dargestellt, dass ein Stück weißen Höschens
sichtbar ist, schüchtert uns Thérèse ein nicht mit ihren wunderschön dargestellten Armen, Beinen und ihrem Profil, sondern mit der inneren
Tiefe, die sie ausstrahlt.
Für "schuldig" befand man hingegen die Polaroids des Mädchenmalers von der Minderjährigen Anna Wahli, die damals zeitgleich in der Gagosian
Gallery angeboten wurden: In den Fotos sexualisierte er die Pubertierende, inszenierte sie mit entblößter Brust oder als Goya-gleiche Maya. Das
Mädchen wurde so als käufliches Souvenir der Lüsternheit ausgebeutet. Startschuss für die Empörung, die dann zwei Monate später im
deutschsprachigen Feuilleton ankam, war allerdings erst die Veröffentlichung einiger Polaroids auf der Webseite des New Yorkers. Also just in dem
Moment und das macht den alten Skandal für die laufende Diskussion um kritisierte "sexuell suggestive Pose" so interessant , in dem die Bilder
ihren eigentlichen Kontext verloren hatten und losgelöst von Ideen und Konzepten der Präsentation im Netz auftauchten. "Der schützende
Rahmen des Museums ist keiner mehr. Die Kunst ist mobil geworden. Sie wird handyfiziert", diagnostiziert Hanno Rauterberg in der Zeit. Das
macht das Urteil über Kunst und ihre Freiheiten gegenwärtig so schwierig: Denn welche Regeln gibt es für das Darstellbare außerhalb des
Museums? Gegenwärtig gelten für die Werke, die auf dem Smartphone in die Welt hinausgetragen werden, die Maßstäbe von Facebook, Gemälde
stehen fast auf der gleichen Stufe wie Dick-Pics.
Fix ist, das Museum ist im besten Fall ein Ort, an dem
man sich selbst fremd werden darf. Im geschützten Rahmen ermöglicht er, sich mit Fragen von moralischen Grenzen auseinanderzusetzen. Dass
man sich an Träumende Thérèse stößt, dass man das Bild als Reibebaum nutzt, um vor dem Hintergrund von #MeToo sexuellen Missbrauch auch
aus anderen Perspektiven zu erörtern, ist gut so. Nur darf man dafür die Kunst, die solche Debatten anzetteln kann, nicht ins Depot verbannen.
Und zum Glück denkt das Metropolitan Museum auch gar nicht daran. (Anne Katrin Feßler, 14.12.2017)
https://derstandard.at/2000070458695/Kontroverse-um-Balthus-Im-Depot-verstummt-jede-Diskussion
Retrospektive über einen Skandalmaler: Balthus, der apollinisch-dionysische Maler verdrängter Triebe, erstmals zu Gast in Wien.
Tauchen Katzen auf in der Kunst, wird es unanständig. Denken wir gar nicht erst zurück bis ins Rokoko, denken wir an Manets nackte „Olympia“,
wo die Katze zu Füßen des liegenden Modells auch für das Letzte steht, das sie noch verdeckt ihr Geschlecht. Was in der französischen
Umgangssprache mit „chat“ sogar dieselbe Bezeichnung teilt. Denken wir an Carolee Schneemanns Film „Fuses, 1964, bei dem ihre Katze den Sex
zwischen ihr und ihrem Lebensgefährten beobachtet, stellvertretend für uns.
*Zeitlich dazwischen eingebettet findet im Paris der Zwischenkriegszeit die Selbstinszenierung eines Malers als „König der Katzen“ statt. „A
Portrait of His Majesty The King of Cats, painted by himself“ von 1935 hängt gleich am Beginn einer der spannendsten Wiener Ausstellungen des
Jahres im BA-Kunstforum. Balthus heißt dieser Gottseibeiuns kunsthistorischer Moralwächter. Vor allem die Polaroids, die der Greis in seinem
Schweizer Chalet, wo er 2001 starb, von einem teilweise halb nackten Mädchen (im Beisein der Mutter) machte, regten zuletzt auf. Er war die
letzten Jahrzehnte halb blind und auf solche Fotos angewiesen, um zu malen, was er immer gemalt hat den noch unbewussten, spröden Eros
Halbwüchsiger (Frauen). So einfach ist das natürlich nicht, und für die bereits im römischen Quirinale gezeigte Wiener Ausstellung ist diese Not,
keines der provokanten, von halb Hollywood (Madonna!) gesammelten Gemälde ausgeliehen bekommen zu haben, ja vielleicht eine Tugend. So
ist man nicht abgelenkt von der eigenen reflexhaften Empörung, etwa vor der berühmten „Gitarrenstunde“ – einem nackten Mädchen, das über
dem Knie einer Lehrerin liegt, der Mutter wohl, und nach ihrer entblößten Brust hascht.
Extrem kontrolliert und beunruhigend: Hier gibt es keine dieser explizit auf Theorien von de Sade und Freud abzielenden Bilder. Zu sehen ist die
Spitze des Eisbergs, um im Freud'schen Jargon zu bleiben, in dem ein Eisberg unser Bewusstsein symbolisiert: Über dem Meer schwimmt das Ich,
die bewussten Anteile unseres Selbst, unter der Oberfläche das weit massivere Es, das Unbewusste, die Ängste, die Lust, die Triebe. Schon die
unglaublich distanzierte, an mittelalterlichen Fresken geschulte Malweise Balthus' kann als Meeresspiegel interpretiert werden, als eisige Scheide
zwischen Traum und Wirklichkeit. In einem Zustand der Starre, des Gefrorenseins zeigt Balthus auch seine Mädchen im Bildraum, der wie eine mit
bürgerlichen Versatzstücken ausgestattete Guckkastenbühne funktioniert. Alles hier ist gespickt mit kunsthistorischen, philosophischen,
psychologischen Anspielungen, zu interpretieren im Pariser Umfeld des 1908 in eine polnische Intellektuellenfamilie geborenen Malers, dessen
Ziehvater Rainer Maria Rilke, dessen Freund Antonin Artaud und dessen Bruder Pierre Klossowski, führender De-Sade-Theoretiker, war. Seine
Kunst ist apollinisch-dionysisch, äußerlich extrem kontrolliert, schön, beherrscht, innerlich beunruhigend, auf unser verdrängtes Verlangen nach
Tabubruch, Chaos, Sex, Gewalt etc. abzielend. Die Ausstellung zeigt schön, woraus Balthus die ihm von Rilke verpasste Version von Balthasar
seine Sprache, etwa die „Proportionselastizität“, wie Kuratorin Evelyn Benesch es nennt, extrahiert: aus „Alice im Wunderlandvon Lewis Carroll,
einem anderen Mädchenversteher, aus Kinderbüchern wie „Max und Moritz“ oder „Struwwelpeter“. Man folgt dem schon zu Lebzeiten
mythisch verehrten Maler durchs Leben (mit kindhaften Frauen an der Seite), sogar bis ins bisher unbekanntere bühnenbildnerische Werk.
Was ein wenig fehlt, ist das Spürbar-Machen des Umfelds von Balthus, der Faszination der damaligen Avantgarde (Surrealismus, magischer
Realismus) für die „dunkle Seite“, die vielleicht in Egon Schieles auch die eigene Sexualität ins Bild bringenden, geschlechtertechnisch noch
vergleichsweise ausgewogenen Werken ihren Anfang nahm. Tradiert aber wurde die existenzielle Erzählung unserer Verdrängungen aus
männlicher Perspektive, mit Bildern nackter, verfügbarer Mädchenkörper. Heute ergießt sie sich atemraubend unreflektiert über uns aus allen
Medienkanälen (Instagram, Model-Shows, ausgeschlachtetem Missbrauch, Kinderzwangsehen etc.). Das mag das doppelte Unbehagen erklären,
das man in einer Balthus-Ausstellung haben kann. Vivat „König der Katzen“!
http://diepresse.com/home/kultur/kunst/4931364/BAKunstforum_Die-Bilder-des-Konigs-der-Katzen?from=gl.home_kultur
Balthus' Bilder, in denen träumende kleine Mädchen auf der Schwelle zur Pubertät in anzüglichen erotischen Posen dar-, oder besser:
ausgestellt werden, machen uns zu Komplizen des voyeuristischen Blicks.
Der charmanteste Teil der mit dem kitschverdächtigen Titel «Cats and Girls» versehenen Balthus-Ausstellung im New Yorker Metropolitan
Museum stammt von dem elfjährigen Balthasar, der den Verlust seiner Katze in einer hinreissenden Bildergeschichte verarbeitet hat: In
vierzig schwarz-weissen Tuschzeichnungen erzählt er von der vergeblichen Suche nach der geliebten «Mitsou». In ihrer freien rhythmischen
Komposition und expressiven Lebendigkeit zeugen diese hier erstmals gezeigten Zeichnungen von dem enormen Talent des Knaben,
einem Talent, das Rainer Maria Rilke, der eine Zeitlang der Geliebte von Balthus' Mutter war, zu seinem Mentor und Förderer werden liess.
Rilke schrieb zu der 1921 als Buch erschienenen Bilderserie ein Vorwort. In Zeiten, in denen Katzenvideos der Hit des Internets sind, fragt
man sich, warum bisher noch niemand auf die Idee kam, diesen bezaubernden Vorläufer wieder aufzulegen.
Als Balthasar Klossowski, der damals auf Anraten Rilkes den Namen «Baltusz» auf den Buchumschlag schreiben liess, den Verlust seiner
ersten Liebe in Bilder umsetzte, war er in dem Alter der jungen Mädchen, die später sein Hauptsujet werden sollten. «Cats and Girls»
waren die Obsession des 2001 verstorbenen Malers, der sich in einem Selbstporträt als «Roi des chats» bezeichnete; das Bild, auf dem sich
ein mächtiger Kater an die Hosenbeine eines melancholisch blickenden Dandys mit Löwenbändiger-Peitsche schmiegt, stammt aus dem
Jahr 1935. Es hängt am Beginn der chronologisch gehängten Schau, die Bilder aus den ersten Jahrzehnten von Balthus' Karriere zeigt.
Aus der Zeit gefallen
Balthus wurde 1909 in Paris in einen deutsch-polnischen Künstlerhaushalt geboren und hat sich nebst vielen anderen Manierismen eine
adlige Herkunft ersonnen, die er zuletzt in seinem Grand Chalet in Rossinière ziemlich exzentrisch ausagierte. «Le Comte de Rola», wie er
sich nannte, war ein Autodidakt, der seine frappante Kunstfertigkeit beim Kopieren alter Meister gelernt hatte allem voran der Fresken
Piero de la Francescas. Gustave Courbet war der andere grosse Maler, an dem Balthus seinen «zeitlosen Realismus» schulte eine
Formulierung, mit der der dezidierte Antimodernist, den mit herausragenden Vertretern der Moderne wie Picasso oder Matisse eine enge
Freundschaft verband, seinen aus der Zeit gefallenen, altmeisterlichen Stil zu bezeichnen liebte. Balthus malte Bühnenbilder für Albert
Camus, exquisite Porträts, Landschaften und Illustrationen, doch das Hauptsujet seiner Gemälde war die erotische Anziehungskraft der
frühen Adoleszenz.
Um es klar zu sagen: Diese Gemälde von sich räkelnden Nymphen, die sich im intimen Setting eines Wohn- oder Schlafzimmers scheinbar
unbeobachtet wähnen, lenken den Blick direkt zwischen deren Beine.
Man hat die träumerische Versunkenheit der jungen Modelle auf diesen Bildern gerne als deren Unantastbarkeit interpretiert. Weil sie sich
um den Betrachter und das Betrachtetwerden nicht im Geringsten zu kümmern scheinen, geht ihnen alles Gefällige, Unterwürfige ab.
Sie wirken abwesend, gelangweilt oder auch trotzig, sie lächeln nicht und sind sich doch ihrer Wirkung bewusst. Diese zwischen
Langeweile, Unglück und Rebellion schwankende Disposition auf der Schwelle zur Pubertät wird besonders sichtbar in den berühmten
Porträts von Thérèse Blanchard, dem ersten Kinder-Modell, das Balthus in seiner Pariser Zeit zu malen begann. Die zwischen 1936 und
1939 entstandenen, psychologisch komplexen Studien, die die eigenwillige Thérèse im Alter von 11 bis 14 Jahren darstellen, sind die
stärksten Bilder in dieser Schau; die grundstürzende, schmerzhafte Ambivalenz des Erwachsenwerdens ist in ihnen präsent. Und doch, allen
träumerischen Distanzen und somnambulen Arrangements zum Trotz, lauert in Balthus' hermetischen Kammerspielen eine potenzielle
Gewalt.
http://www.nzz.ch/feuilleton/kunst_architektur/der-gelenkte-blick-1.18190704
Das Essener Museum Folkwang hat eine geplante Polaroid-Ausstellung des für seine sexuell aufgeladenen Mädchen-Bilder
bekannten Künstlers Balthus abgesagt - aus Angst vor ungewollten juristischen Konsequenzen.
Den Bildern des Malers Balthasar Kłossowski de Rola, genannt Balthus, liegen mehr als 2400 Polaroid-Fotos der achtjährigen Anna
Wahli zugrunde - leicht bekleidet, sich räkelnd, nackt. Es sind explizite Fotos, die wir laut BalthusStiftung nicht zeigen dürfen. Vorlagen,
die der Künstler in den 1990er Jahren für seine Gemälde machte und die in seinem Nachlass wieder auftauchten. Doch sind es
Dokumente pädophiler Gier oder Studien mit künstlerischem Wert? Das Museum zieht mit seiner Entscheidung die Konsequenz aus
vergangenen Ausstellungen, die am Ende nur von einer Debatte überschattet wurden: der sexuellen Darstellung von Kindern in Kunst.
Minderjährige und lüsterne Künstler - es ist ein altes, immer heikles Thema. Auch die Maler der Brücke-Gruppe wurden von Pädophilie-
Vorwürfen eingeholt. 2010 entfachte sich die Debatte bei einer Ernst-Ludwig-Kirchner-Retrospektive im Frankfurter Städel neu. Im
Fokus: die achtjährige "Fränzi" und "Marcella", zwei Mädchen aus Arbeiterfamilien, die für die Expressionisten posierten. Sie waren die
Lieblingsmodelle von Kirchner und Erich Heckel. In Briefen ließen sich die Künstler über jugendliche Erotik aus. Auch Egon Schiele malte
junge Mädchen nackt und in anzüglichen Posen. Wegen "Verbreitung unsittlicher Zeichnungen" und angeblicher Verführung einer
Minderjährigen wurde er zu Arrest verurteilt. Seine expliziten Bilder sind bis heute umstritten.
Und Balthus? Zwischen Muse und Missbrauchsopfer - wiesoll man mit Kunst umgehen, die Minderjährige so zeigt, wie es heute
verboten wäre? Muss Kunst nicht nur ästhetischen, sondern auch moralischen Kriterien unterzogen werden?Die Entscheidung des
Folkwang Museums, die Schau mit expliziten Fotos zu kippen, ist nachvollvollziehbar. Mit dem Hinweis auf Kunstfreiheit allein jedenfalls
macht man es sich in dieser Debatte zu leicht.
Polaroids Nachlass 2014 3sat
http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/themen/174906/index.html
Wie erwartet, hat er Anna nicht beim Blumenpflücken oder Puppenkleiderbügeln zugesehen;-)
Plaroid-Anna Wahli
Es sind Polaroids, die Balthus machte, als er wegen seiner schwindenden Sehkraft keine Skizzen mehr anfertigen konnte. 2400 Fotos fand
man nach seinem Tod, sie zeigen alle das gleiche Modell.
Anna Wahli, die Tochter seines Arztes, war das letzte Mädchen, das er in sein Atelier holte. Als er Anna das erste Mal fotografierte, war sie
gerade mal acht Jahre alt. Bis sie 16 war, posierte sie jeden Mittwoch für den Maler, zuletzt auch nackt. Was diese weichgezeichneten
Fotografien dem alten Mann bedeuteten, der sein Modell manchmal stundenlang betrachtet haben soll, bleibt sein Geheimnis.
Balthus’ Witwe und Tochter hätten diesen Schatz schon lange gern gehoben, doch Anna Wahli, die heute als Psychotherapeutin arbeitet,
liess sich zehn Jahre Zeit mit der Einwilligung. Für je 20 000 Dollar pro Stück werden nun 155 hübsch gerahmten Polaroids verkauft, vom
Bildband gibts nur eine limitierte Auflage.
Scharfsinnige Analyse die aber den Eindruck hinterlässt...
...die minderjährige Anna Wahli wäre hinsichtlich der erotisierten Polaroids ausgebeutet worden (“Das Mädchen wurde so als käufliches
Souvenir der Lüsternheit ausgebeutet”).
Das stimmt so nicht
Die Polaroids wurden vom greisen Künstler als Ersatz für Skizzen geschossen, die er selbst nicht mehr anfertigen konnte. Die Polaroids
behielt er für sich. Sie tauchten erst in seinem Nachlass wieder auf.
Balthus’ Witwe und ihre Tochter hätten diesen “Schatz” schon lange gehoben, hätte sich nicht Anna Wahli, die heute als
Psychotherapeutin arbeitet, aus verständlichen Gründen Zeit mit ihrer Einwilligung gelassen
Seit einigen Jahren werden nun diese Polaroids (hübsch gerahmt) für je 20 000 $ pro Stück verkauft, womit vermutlich allen gedient ist
https://derstandard.at/2000070458695/Kontroverse-um-Balthus-Im-Depot-verstummt-jede-Diskussion#posting-1026654208
Balthus-Polaroids mit Anna Wahli Skandal in NY ?