Guiseppe Arcimboldo Vertumnus
Ein Schalk im Dienste der Mächtigen
Wenn man über Humor in der Kunst spricht, kann Guiseppe Arcimboldo, der Popstar der
Spätrenaissance, nicht fehlen. Seine grotesken Kompositköpfe, zusammengesetzt aus Obst,
Gemüse und Blumen sind nicht nur für Veganer ein Augenschmaus. Sie gefielen auch den
damaligen Herrschern des HRR. So diente Arcimboldo als Hofmaler zunächst Ferdinand I. in
Wien, und danach Maximilian II. und Rudolf II. in Prag, arbeitete aber auch, ähnlich wie Diego
Velasquez in Madrid, als Regisseur für die Feste seiner Arbeitsgeber. Seine “Portraits” fanden
derartigen Anklang, dass sie auf Verlangen des Kaisers in mehreren Versionen wiederholt werden
mussten, um als Geschenke für Verwandte und Regenten an den Höfen in Sachsen, Bayern und
Madrid zu dienen, gewissermassen als Werbungfür die Politik des Habsburger
Herrscherhauses. Deswegen sind sie heute über viele Länder verstreut.
Die Meinungen der Kunsthistoriker über die grotesken Erfindungen Arcimboldos und dessen
surrealen Stil sind nicht einheitlich. Hat der Künstler - möglicherweise von Karikaturen Leonardo
da Vincis angeregt - die Auffassung vom Menschenantlitz als „Spiegel der Seeleverspotten
wollen? Oder hat er sie aus der Sicht Platos gemalt, d.h. in Hinblick auf die Entstehung der Welt
aus einem Chaos mit den vier Elementen als Grundstoff für Kosmos, Welt, Menschen, Tiere und
Pflanzen, die eine Einheit bilden ? Oder wurde seine Kunst am kaiserlichen Hof lediglich durch
den Umgang mit der gelehrten Gesellschaft, den Alchemisten und Zauberern geprägt?
Erst aus Textquellen und gelegentlich hinzugefügten
ikonographischen Details wird deutlich, dass
Arcimboldos eigenartigen Allegorien hauptsächlich dem
Lob des Habsburger Herrschergeschlechtes dienen
sollten.
Das berühmteste Beispiel dafür ist das "Porträt"
Rudolfs II., genannt Vertumnus“. Vertumnus war bei
den Römern der Gott der Jahreszeiten.
Dementsprechend ist Rudolf wie ein Herrscher frontal
abgebildet, und sein Kompositkopf besteht ganz aus
reifen Früchten, prächtigen Blumen und Gemüsesorten,
die gleichsam die vier Jahreszeiten darstellen und den
Kaiser verherrlichen, der wie ein Gott über sie
herrscht. So beschrieb es zumindest Arcimboldos
Freund Gregorio Comanini in einem Gedicht über das
Bild. Das Herrscherporträt war also kein bizarrer
Scherz zur Erheiterung des Kaisers, sondern eine
Huldigung seiner Macht. Arcimboldo schuf es erst nach
seinem Dienstaustritt in Mailand. Der Überlieferung
nach hat es Rudolf ausnehmend gut gefallen.
Jahreszeiten
Rudolf II. (HRR)
Arcimboldos Werk wurde nach seinem Tod
1593 bald vergessen - sein Zeitgenosse Vasari
hatte ihn in seinen Künstlerbiographien nicht
einmal erwähnt - und erst von Dadaisten und
Surrealisten (Salvatore Dali) im 20 Jhdt.
wiederentdeckt. Seither werden seine
schalkhaften Gemälde von den meisten
Kunstliebhabern überaus geschätzt,
inbesondere von Kindern, die mittels
Ausmalbilder und Malvorlagen ein neues
Augen-Abenteuer entdecken können.
Wer sonst hat Stilleben von Gemüse gemalt,
die erst auf den Kopf gestellt, ihre Originalität
entfalten? Arcimboldos Umkehrbilder erinnern
an die von Georg Baselitz systematisch auf den
Kopf gestellten Figuren, strahlen jedoch mehr
Witz und Humor aus.
Wen wundert es ?
aufrecht verkehrt
Baselitz
Für Kinder !