Friedrich von Amerling Die Morgenländerin
Provenienzforschung ”light”
Komischer Titel. Das dargestellte Mädchen ist keine Morgenländerin
sondern trägt lediglich ein türkisches Kleid. Diese Vereinnahmung des
Orients hat mit dem Gesinnungswandel in Europa zu tun. Während im
17. Jhdt der Orient noch ein gefürchtetes Feindbild war, wandelte es
sich im 18. Jahrhundert zu einer Mode, die sogar bis in die
europäischen Herrscherhäuser Einzug hielt. Im Orientalismus des 19.
Jhdt gab man sich dann ungebremst der Faszination des Fremden hin,
auch wenn man dabei den Orient voller Klischees und Stereotypen
sah, und den Orientalen Sinnlichkeit, Dekadenz und einen Hang zur
Ausschweifung unterstellte.
Von Amerlings Morgenländerin gibt mindestens drei Versionen, die
sehr ähnlich sind. Die erste kleinere entstand 1838, und gelangte in
den 70er Jahren über die Galerie Sanct Lucas Wien völlig legal in die
USA (The Cleveland Museum of Art). Die ein Jahr später (1839)
gemalte zweite Version hatte nicht dieses Glück: sie war im Besitz
eines jüdischen Sammlers der 1938 enteignet wurde, also Raubkunst.
Die dritte Version entstand 1854 und erschien in letzter Zeit mehrmals
auf dem Kunstmarkt (1992 bei Sotheby's; 2004 Christies um 20 000 $).
Darüber hinaus zirkulieren einige Kopien des Gemäldes.
1938
1939