Rudolf von Alts "Portal der Kirche des Stiftes Nonnberg in Salzburg" (1887) gehörte bis 1938 zur Sammlung
Ferdinand Bloch-Bauers. Nach dem Zweiten Weltkrieg verweigerten die Behörden die Ausfuhr aufgrund der
"künstlerischen und topographischen Wichtigkeit". Stattdessen erhielten die Erben Bloch-Bauers im Tausch Alts
"Hof des Dogenpalastes in Venedig" (1875), das 1939 über die Staatsgalerie (Belvedere) in die Albertina gelangt
war. Es war einst in der Sammlung des 1936 verstorbenen Rechtsanwaltes Emil Suess.
Etwas detaillierter fielen die Angaben für den Hof des Dogenpalastes in Venedig aus. Laut Katalog habe es sich
in der Sammlung Ferdinand Bloch-Bauers befunden, sei "während des 2. Weltkrieges (bis 1950)" in der
Albertina in "Verwahrung" gewesen und an die Erben rückgestellt worden. Sieht man von dem für
beschlagnahmte Kunst aus jüdischem Besitz ungewöhnlichen Begriff einer Verwahrung ab, sind die
Informationen unrichtig. Sie wurden ungeprüft aus einer Publikation der Galerie C. Bednarcyk aus dem Jahr
1991 übernommen, für die Koschatzky verantwortlich zeichnete. Tatsächlich war das Aquarell erst 1950 über
den Tauschweg in den Besitz der Bloch-Bauers gekommen, erzählt Sophie Lillie. Denn die Behörden hatten der
Familie die Ausfuhr eines anderen Aquarells "wegen seiner künstlerischen und topografischen Wichtigkeit"
verweigert. Konkret wollte man Das Portal der Kirche des Stiftes Nonnberg (1887) behalten und tauschte es
gegen eine Doublette, die nun zur Auktion gelangende Ansicht des Dogenhofes. Diese war im April 1939 über
den sogenannten Museums-Interessenausgleich von der Staatsgalerie (Belvedere) an die Albertina überstellt
worden. Informationen des Research Center zufolge war es über die Verlassenschaft des 1936 verstorbenen
Rechtsanwaltes Emil Suess in den Bestand des Belvedere gekommen. Und die laut dem Protokoll von Jänner
1950 vermeintlich "dauernd für den österreichischen Staatsbesitz" gesicherte Trophäe? Sie war im Dezember
2013 Gegenstand einer Empfehlung des Kunstrückgabebeirates. Demnach sei Alts Portal der Kirche des Stiftes
Nonnberg zu restituieren, vorausgesetzt, dass Ferdinand Bloch-Bauers Nachfahren das 1950 erhaltene Aquarell
oder dessen Wert zurückerstatten. Dieses Werk wird derzeit noch in der Albertina verwahrt. Das Tauschobjekt
hatten die Erben Ende der 1980er-Jahre an die Kunsthändlerin Elisabeth Sturm-Bednarcyk verkauft, von der es
in den Besitz der jetzigen Verkäufer wechselte. (Olga Kronsteiner, Album, 15.10.2017)
http://derstandard.at/2000065971568/Rudolf-von-Alt-Vom-Sammeln-und-Tauschen
"Portal der Kirche des Stiftes Nonnberg in Salzburg"